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Titel

HOMO DIGITALIS

Mensch & Maschine

im Zeitalter der digitalen Evolution

Von künstlichen Intelligenzen, Cyborgs, Androiden

und anderen Zukunftsvisionen

 

 

Copyright: © 2012-2016 Alexander Otto

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IMPRESSUM

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Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.

Albert Einstein

 

Einleitung

 

Was wäre der Mensch des 21. Jahrhunderts nur ohne seine Maschinen, Computer, Fernseher und Hightech-Spielzeuge? (Ist doch klar! Er würde im Urwald mit wilden Tieren spielen oder es sich in einer Tropfsteinhöhle am Lagerfeuer gemütlich machen.)

Der rasante technische Fortschritt und der Ausbau moderner Kommunikationsinfrastrukturen haben trotz Wirtschaftskrisen und Rezessionen in diesem Jahrhundert enorme Dimensionen erreicht. Insbesondere das Internet hat an so großer Bedeutung gewonnen, wie zu keiner Zeit und ist mittlerweile ein integraler Bestandteil unseres Lebens geworden. Mit mobilen, multimedialen Endgeräten im Westentaschenformat, können wir uns jederzeit und von jedem Ort der Welt aus über satelliten- und erdgestützte Sendeanlagen mit dem Internet verbinden und mit hohen Datenübertragungsraten durch das World Wide Web surfen. Fortschrittliche Smartphones machen eine komfortable Nutzung möglich.

Das weltweite Wirtschaftswachstum, das zu einem großen Teil vom Technologiesektor getragen wird (insbesondere durch die Elektroindustrie und innovative Informationstechnologien), wird sich vermutlich auch zukünftig weiter exponentiell beschleunigen – nicht zuletzt und wahrscheinlich sogar hauptsächlich deswegen, weil unsere Maschinen irgendwann in der Lage sein werden, sich mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und synthetisierter neuronaler Netze selbst zu verbessern. Was heute wie Zukunftsmusik klingen mag, wird voraussichtlich noch bis Mitte dieses Jahrhunderts wahr werden: Intelligente und kreativ denkende Supercomputer werden die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns übersteigen! Vielleicht vollzieht sich dieser Prozess auch schneller, zumal wissenschaftlich erwiesen ist, dass Dauerstress, falsche Ernährung und Bewegungsarmut Gehirnzellen töten und darüber hinaus immer mehr Menschen durch TV-Konsum, »Komasaufen«, mangelhafte Bildung oder durch Alltagsroutine zunehmend abstumpfen und sich geistig zurückentwickeln.

Wie auch immer… Diese synthetischen Superintelligenzen könnten sogar dazu in der Lage sein, eigenständig Systeme zu entwickeln, die noch intelligenter sind als ihre digitalen Schöpfer, was einen nie da gewesenen Technikboom auslösen würde. Diese Zukunftsvisionen sind wahnsinnig beeindruckend, gleichzeitig aber auch sehr beängstigend und erschreckend.

Schaut man sich außerdem die Forschungen und Entwicklungen im Bereich der modernen Robotik und Kinetik an, dann braucht man im Grunde genommen nur Eins und Eins zusammenzuzählen, um zu dem Ergebnis zu gelangen, dass eines Tages intelligente Roboter mit menschlichen Eigenschaften, dem Menschen in nichts nachstehen oder sogar »besser« sein werden, als wir. Ob nun Androiden die besseren Menschen sind, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass diese Entwicklungen unaufhaltsam voranschreiten und unsere Maschinen und Computer immer leistungsfähiger werden.

 

 

1. Künstliche Intelligenzen: Roboter, emotionale Maschinen und Androidenklone

 

Dass eine Maschine besser sein kann, als ein Mensch, zeigte sich erstmals 1997 mit dem von IBM entwickelten Computer namens Deep Blue, der den damaligen amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow besiegte. Nach der verlorenen Partie sagte Kasparow, er habe in manchen Zügen der Maschine hohe (menschliche) Intelligenz und Kreativität feststellen können. Dabei basierte der Erfolg von Deep Blue weniger auf seiner Lernfähigkeit, sondern vielmehr auf seiner hohen Rechenleistung von bis zu 200 Millionen Stellungen pro Sekunde. Außerdem haben die Entwickler den Programmiercode des Schachcomputers während des Wettkampfes korrigiert und Programmierfehler in der Software beseitigt, wodurch Deep Blue effizienter wurde. Dies hat jedoch weder etwas mit maschinellem Lernen im Sinne der KI noch dem natürlichen Lernen des Menschen zu tun.

Anders sieht es hingegen im Roboterfußball aus. Was wie ein Spiel anmuten mag, hat durchaus einen ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund. Beim RoboCup 2005 im japanischen Osaka, traten zum ersten Mal humanoide Roboter mit menschenähnlicher Körperform gegeneinander an. Nach aktuellem Entwicklungsstand können sich diese Maschinen wohl kaum mit Weltfußballern, wie Christiano Ronaldo, Lionel Messi oder Wayne Rooney messen. Aber die Initiatoren des RoboCup haben sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2050 mit einer Androiden-Elf den (menschlichen) amtierenden Weltmeister in einem gewöhnlichen Fußballspiel zu besiegen. Zu den jährlichen Roboterfußballweltmeisterschaften treffen sich zirka 2000 Wissenschaftler und Studenten aus aller Welt, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich Künstliche Intelligenz und Robotik miteinander auszutauschen. Zu den untersuchten Forschungsfragen gehört unter anderem das dynamische Laufen auf zwei Beinen, die Ballmanipulation, die visuelle Wahrnehmung der Spielsituation, sowie die Team-Koordination des Mannschaftsspiels.

 

Es ist längst keine Utopie mehr, dass Roboter und Maschinen dem Menschen immer mehr Arbeit abnehmen und ihn in vielen Bereichen ersetzen können, was nicht unbedingt nur Vorteile mit sich bringt, wie man sich vorstellen kann.

Beispielsweise werden Industrieroboter heute in Arbeitsumgebungen platziert, die für den Menschen zu gefährlich oder unzumutbar sind. Im Zuge der industriellen Automatisierung erledigen moderne Roboter stupide und eintönige Fließbandarbeiten schneller und wesentlich genauer als Menschen. Beispielsweise wäre die Herstellung moderner Mikroprozessoren ohne den Einsatz von Robotern gar nicht möglich, da für deren Herstellung ein exaktes, maschinelles Arbeiten unabdingbar ist. In der Automobilindustrie werden Fahrzeuge schon längst unter starker Beteiligung von Robotern hergestellt, und auch in der Medizin gibt es inzwischen Operationsroboter, die ihre Arbeit am Patienten exakt und mit ruhiger »Hand« verrichten.

Ebenso unterstützen uns zuhause Serviceroboter, die auf eine einzige Aufgabe spezialisiert sind – Haushaltsroboter, die in der Lage sind eigenständig Staub zu saugen, den Boden zu wischen oder Rasen zu mähen.

Der Unterhaltungsroboter Robosapien beispielsweise ist ein elektronischer Gefährte des Menschen, der sprechen und Personen erkennen kann und über multimediale Funktionen, wie MP3-Player, Subwoofer, Kamera und PC-Anschlüsse verfügt. Der smarte Roboter, mit einer Größe von 60cm, ist eine kleine »schizophrene Persönlichkeit«, der über vier verschiedene Charaktere verfügt, die individuell am PC programmierbar sind. Schon irgendwie verrückt, oder?

Wer übrigens der Meinung sein sollte, dass Hunde nur Dreck machen, bestialisch stinken, einem die Haare vom Kopf fressen und rumsabbern, aber die lieben Tierchen doch irgendwie liebenswert findet, für den kommt alternativ wohl nur ein elektronisches Haustier in Frage. Der erste Vertreter dieser Gattung war der von Sony entwickelte AIBO (Abkürzung für Artificial Intelligence roBOt), von dem weltweit insgesamt 150000 Stück verkauft wurden. Außer dass Roboterhunde ein bisschen Elektrosmog ausdünsten, sind die kleinen Kerlchen völlig geruchfrei und stubenrein, haben nie Hunger, und wenn man mal keine Lust hat mit ihnen Gassi zu gehen, dann drückt man einfach auf den AUS-Schalter. Da bevorzuge ich doch lieber einen echten besten Freund des Menschen, mit glänzendem Fell und treuem Hundeblick. Wenn das so weitergeht, dann sehe ich schon bald Werbeslogans wie, »Jetzt im Angebot bei ALDI: Der neue Robowaldi!«

Schon wesentlich sinnvollere Anwendungen sind dagegen Forschungsroboter, die fremde Planeten oder irdische Katastrophengebiete auskundschaften, in Vulkane, Abwasserrohre oder Atomreaktoren vordringen oder als Minensucher ihren Dienst verrichten.

 

Es gibt heute eine Vielzahl von Anwendungen, die auf den Erkenntnissen der künstlichen Intelligenz basieren. Denken wir beispielsweise an Spracherkennungssysteme, die das Diktieren eines Textes ermöglichen, Handschrifterkennung, maschinelles Lernen bei Suchmaschinen wie Google, Systeme, die Lösungen für komplexe Probleme zur Verfügung stellen, Aktien- und Wirtschaftsprognosen, KI in Computerspielen oder auch Computervision-Systeme, die Produktionsprozesse überwachen oder den Straßenverkehr regeln.

In Zukunft werden diese Technologien immer mehr zum Einsatz kommen und den Menschen ersetzen. Ob das gut oder schlecht für uns ist, wird sich noch zeigen. In der Industrie war es bislang so, dass Menschen die Arbeit von Maschinen überwachen. In Zukunft könnte es sogar sein, dass intelligente Maschinen andere Maschinen überwachen und kontrollieren, ohne dass hierfür eine menschliche Arbeitskraft erforderlich wäre.

In diesem Zusammenhang drängt sich mir die Frage auf, ob der Mensch nun tatsächlich die Maschine kontrolliert oder ob wir nicht vielleicht doch schon längst von den Maschinen beherrscht werden? Zumindest sind wir stark abhängig von technischen Gerätschaften, und so manch fanatischer Technikfreak ist ja gerade zu süchtig nach moderner Unterhaltungselektronik.

Ein weiterer Punkt ist, wie der tägliche Umgang mit Maschinen auf den Menschen zurückwirkt. Denn wenn Menschen permanent mit Technik in Berührung kommen und sich aufgrund von Urbanisierung, Stress und Reizüberflutung immer mehr aus dem sozialen Leben zurückziehen, dann kann man sich leicht vorstellen, dass diese Phänomene Auswirkungen auf die Psyche und das Sozialverhalten des Menschen haben.

Wenn man sich anschaut, wie beeinflussbar gerade junge Leute durch Werbung und Massenmedien sind und beinahe wie ferngesteuerte Konsumroboter den neuesten Techniktrends hinterher jagen, dann sagt das schon einiges über das System und die Gesellschaft aus. Wenn vor einem Apple-Laden in München eine 500 Meter lange Menschenschlange wartet, um die neueste Version des iPad zu ergattern und TV-Teams dieses Ereignis filmen oder wenn bei einem solchen Ansturm sogar Menschen schwer verletzt werden, wie im Mai 2011 in Peking, wo hunderte Chinesen einen Tag vor der Markteinführung sogar vor dem Apple Verkaufsgebäude übernachtet haben und das Glas einer Sicherheitstür von einer Horde wild gewordener Technikfreaks eingedrückt wurde (Obwohl 50 Sicherheitskräfte vor Ort waren!) oder wenn die Hightechmanie soweit geht, dass Menschen dazu bereit sind, ihre Organe zu verkaufen, um sich ein Smartphone oder einen Tablet-PC leisten zu können, dann kann man doch nur von Irrsinn, Wahnwitz, ja von Wahnsinn sprechen. Und während die stolzen Besitzer ihre neuen Techniktrophäen feierlich in die jubelnde Menschenmenge halten, sich im Blitzlichtgewitter sonnen und sich schon auf die nächste Produktversion freuen, werden die Millionen zermürbten Arbeiter, die in den chinesischen, indischen und südamerikanischen Fabriken die begehrten iPads und iPhones in 12-Stundenschichten für umgerechnet etwas mehr als einen Euro die Stunde zusammenbauen, sich diese Produkte wohl niemals leisten können.

 

Bei den oben erwähnten KI-Systemen handelt es sich übrigens um lernfähige und wissensbasierte Expertensysteme mit einfacher beziehungsweise schwacher KI, die auf spezielles Datenmaterial zurückgreifen, komplexe Probleme lösen und menschliche Expertenteams bei ihrer Arbeit unterstützen oder sogar vollständig ersetzen.

Die starke KI hingegen, beschäftigt sich mit der Nachahmung menschlichen Denkens, mit dem Ziel, intelligente, kreative Maschinen zu erschaffen, die eigenständig Probleme lösen können und die über eine Form von Bewusstsein, Selbstbewusstsein oder gar über Emotionen verfügen.

Während im Bereich der schwachen KI in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt wurden, bleiben die Ziele der starken KI nach Jahrzehnten der Forschung eher visionär (aber nicht unbedingt utopisch), zumal es schon an einer eindeutigen Definition von Begriffen wie Intelligenz, Wahrnehmung oder Bewusstsein mangelt. In der klassischen Psychologie versteht man unter Intelligenz die kognitiven Fähigkeiten des Menschen – dazu zählen unter anderem kreatives Denken, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Auffassungsgabe, Planung, Orientierung, Introspektion (Selbstbeobachtung) als Mittel der Selbsterkenntnis, visuelle Vorstellungskraft, sowie Konzentrations- und Erinnerungsvermögen.

Es mag vielleicht schwer vorstellbar sein, dass eine Maschine eines Tages über ein breites Spektrum an kognitiven Fähigkeiten verfügt. Gänzlich unmöglich ist dies jedoch nicht, zumal ein organisches Gehirn nicht notwendige Voraussetzung für Intelligenz und Lernen ist.

Denn in künstlichen neuronalen Systemen, welche eine Nachbildung der Strukturen des menschlichen Gehirns darstellen, werden Informationen in Form von elektronischen Impulsen und Signalen verarbeitet, die bei Gehirnen von Menschen und Tieren über die Synapsen (Schnittstellen/Kontaktpunkte zwischen den Nervenzellen) verteilt und weitergeleitet werden. Das menschliche Gehirn stellt ein extrem komplexes System aus 100 Milliarden Zellen dar, die über elektrische und biochemische Verbindungen miteinander vernetzt sind und so miteinander Daten austauschen können.

Basierend auf den Erkenntnissen der Neurowissenschaften ergeben sich typische Eigenschaften neuronaler Netze, die sowohl für natürliche, als auch für künstliche neuronale Systeme gelten. Künstliche neuronale Netze folgen hierbei weniger den Gesetzen der künstlichen Intelligenz, sondern eher einer »(über?)natürlichen Intelligenz« (quasi eine natürliche Intelligenz in einem künstlichen System), da diese künstlich erzeugten Systeme aus der Natur des menschlichen Gehirns nachempfunden werden. Durch die Lernfähigkeit solcher künstlicher Systeme verändert sich deren Struktur (eigen)ständig, die mit zunehmendem und gezieltem Informationsinput komplexer wird, was sich in logischem Denken und intelligentem Verhalten äußert. Man kann dies mit dem Gehirn eines heranwachsenden Kindes vergleichen, das seine Fähigkeiten durch Erfahrungen, Nachahmung und Ausprobieren im Laufe der Zeit erlernt, wodurch gewisse Denk- und Verhaltensmuster entstehen, die sich durch Erziehung, Schule, Medien und das soziale Umfeld verfestigen und kultivieren.

 

Niemand kann heute exakt vorhersehen, inwieweit die Entwicklungen in den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik und Kinetik weiter voranschreiten. Androiden waren bislang wegen ihres dramaturgischen Potentials lediglich beliebte Figuren in Science-Fiction Spielfilmen, wie Aliens, Blade Runner, Terminator, Star Trek, Kampfstern Galactica oder I, Robot. Aber wenn man mal einen Blick in die Zukunft wagt, dann wäre es durchaus denkbar, dass es vielleicht in 100 Jahren hochintelligente Androiden geben wird – humanoide Roboter, die einem Menschen täuschend ähnlich sehen und sich auch menschlich verhalten.

Der japanische Forscher Hiroshi Ishiguro, von den ATR Intelligent Robotics and Communication Laboratories in Kyoto, kam dem Ziel ein Alter-Ego des Menschen zu erschaffen bislang am nächsten, indem er ein kybernetisches Double von sich selbst aus Silikon und Stahl erschuf. Der »geklonte« Androiden-Replikant mit dem Namen Geminoid HI-1, war Professor Ishiguros erster Modellversuch dieser Art. Reepli Q1 ist eine technisch reifere Nachfolgeversion eines solchen Androiden, mit dem Aussehen einer Frau Mitte 30. Die Androidin (besser ausgedrückt: Gynoid) kann Mimiken imitieren und eigenständig auf Personen reagieren. In dem gynoiden Körper von Q1 befinden sich 31 Aktoren, deren Aufgabe darin besteht, elektrische Signale in mechanische Bewegungen umzuwandeln und menschliche Bewegungen nachzuahmen, die von einer Software analysiert werden.

Sicherlich stecken diese Entwicklungen noch in den Kinderschuhen und befinden sich im Anfangsstadium. Aber sollten diese Technologien eines Tages ausgereift und perfektioniert worden sein, dann wird man einen Menschen zumindest auf den ersten Blick nicht mehr von einem Androiden unterscheiden können. Man könnte es auch so formulieren, dass der Mensch in Form eines elektromechanischen Wesens digital geklont und synthetisch repliziert, also nachgebildet wird. Inwieweit sich der Mensch, Androiden zu Nutze machen könnte und ob ein Android eines Tages sogar als gleichberechtigtes Individuum in der Gesellschaft anerkannt sein wird, darüber kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren. Hierzu fallen mir die wildesten Fantastereien ein, die aus heutiger Sicht wohl eher der Science-Fiction zugeordnet werden können. Beispielsweise wäre denkbar, dass Erinnerungen, Erfahrungen, erlerntes Wissen, sowie sensorische und motorische Informationen, die im Gehirn gespeichert sind, eines Tages in einen Androiden kopiert werden, sodass beispielsweise der »Geist« großer Persönlichkeiten der Geschichte auf diese Weise weiterexistieren und sich sogar weiterentwickeln könnte. Der Futurologe Ian Pearson prophezeit schon für das Jahr 2050 eine digitale Unsterblichkeit:

 

Es wird dann möglich sein, den Geist auf eine Maschine zu laden, sodass der körperliche Tod kein wirkliches Problem wäre.

 

Völlig abwegig und utopisch scheinen diese Vorstellungen nicht zu sein, da die Datenübertragung vom Gehirn zu einem Computer schon heute durch so genannte Headware in der Medizin praktiziert wird. Dazu wird eine neurale Schnittstelle (auch Brain-Computer Interface genannt) in das Gehirn des Patienten invasiv implantiert, wodurch ein drahtloser Datenaustausch mit einem PC über die Bluetooth-Technologie durchgeführt werden kann. Die über das Neuro-Interface übertragenen Daten können dann per Internet an den behandelnden Arzt weitergeleitet werden. Somit können viele Patienten, die bisher stationär im Krankenhaus liegen mussten, von zu Hause aus überwacht werden.

Das Brain-Computer-Interface wird übrigens auch im Bereich der nichtinvasiven Elektroenzephalografie (EEG) verwendet. Dabei werden die Gehirnwellen gemessen, die an einen Computer übertragen werden und kognitive Prozesse auslösen. Damit ist es durch Konzentration möglich, elektronische Systeme über Gehirnwellen gezielt zu kontrollieren und zu steuern. Schwergelähmte Menschen beispielsweise können auf diese Weise mit der Außenwelt kommunizieren.

 

Es ist unumstritten, dass der Mensch an einem »Point of no return« angelangt ist und so stark von Maschinen abhängig ist, wie niemals zuvor. Unsere technischen Errungenschaften sind mittlerweile unverzichtbar für uns geworden. Computer, Industrieroboter und Fahrzeuge erleichtern nicht nur unser Leben, sondern sind sogar in vielen Fällen zwingend notwendig geworden, damit wir überleben können. Wenn wir plötzlich vier Wochen ohne Strom auskommen müssten und Fahrzeuge oder öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr zur Verfügung stünden, dann würde das totale Chaos auf der Welt ausbrechen.

Ja, und wenn man Kindern, die bereits im Vorschulalter von ihren Eltern mit MP3-Playern, Handys, Notebooks und Spielkonsolen ausgestattet werden, ihre Spielzeuge wegnimmt, können die kleinen Krümel plötzlich zum Krümelmonster mutieren, dem man seine Kekse geklaut hat.

 

Weil der technische Fortschritt in hohem Grad zum Wirtschaftswachstum beiträgt, muss jeder seinen Beitrag dazu leisten. Der Mensch muss sich gezwungenermaßen an diese rasanten Entwicklungen anpassen und wird dabei oft über die Grenzen seines Leistungsvermögens hinausgeführt, was sich immer häufiger in körperlichen und psychischen Beschwerden, bis hin zu ernsthaften Krankheiten widerspiegelt, von denen ganze Zivilisationen betroffen sind.

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 17.10.2016
ISBN: 978-3-7396-7900-6

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Von künstlichen Intelligenzen, Cyborgs, Androiden und anderen Zukunftsvisionen.

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