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Leseprobe

Kein letzter Blick: Thriller

 

 

Marcus Hünnebeck

Über den Autor

Marcus Hünnebeck wurde 1971 in Bochum geboren und lebt inzwischen als freier Autor in Hamburg. Er studierte an der Ruhr-Universität Bochum Wirtschaftswissenschaften.

Im März 2001 erschien mit Verräterisches Profil sein erster Thriller, 2003 und 2004 folgten Wenn jede Minute zählt und Im Visier des Stalkers.

Dank der Möglichkeiten, die das E-Book-Publishing bietet, veröffentlichte er im Jahr 2013 seine alten Thriller als überarbeitete E-Books. Seitdem sind zahlreiche neue Thriller erschienen.

Mit Chris Karlden zusammen hat er im Oktober 2019 den Thriller Im Namen der Vergeltung veröffentlicht.

So tief der Schmerz bildete den Auftakt einer neuen Serie um den Personenfahnder Till Buchinger. Mit Kein letzter Blick liegt nun der zweite Teil vor.

 

 

Über das Buch

 

Die siebzehnjährige Larissa steigt nach einem heftigen Streit mit ihrem Vater Mats in einen Zug am Hamburger Hauptbahnhof, ohne ihn noch eines letzten Blickes zu würdigen. Sie will zu ihrer Mutter in Köln zurückkehren und ignoriert Mats, der am Bahnsteig ausharrt.

Monate später bereut die inzwischen Volljährige ihr Verhalten, denn Mats ist seit jenem Tag spurlos verschwunden. Verzweifelt engagiert Larissa den Personenfahnder Till Buchinger. Er fahndet bereits nach einer jungen Studentin, die zur selben Zeit entführt wurde. Ist es Zufall, dass Larissa und die Studentin sich ähnlich sehen, oder hängen beide Taten zusammen? Als Till im Rahmen seiner Ermittlungen das Vertrauen von Larissa verspielt, sucht die ihren Vater auf eigene Faust und gerät in große Gefahr.

 

Impressum

Kein letzter Blick

© 2020 Marcus Hünnebeck

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage, Juli 2020

 

Covergestaltung: © Artwize

Im Cover Design wird 1 Stock Image von depositphotos.com verwendet.

depositphotos url: https://depositphotos.com/162020902/stock-photo-girl-with-bodyart-on-face.html

 

 

 

 

 

 

 

Lektorat: Ruggero Leò

Korrektorat: Kirsten Wendt

 

 

 

Herausgeber:

Marcus Hünnebeck

Hainstr. 26, 04109 Leipzig

 

 

 

 

 

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit schriftlicher Zustimmung des Autoren zulässig.

 

Alle in diesem Roman geschilderten Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 17. Juli

1

 

 

 

Ob er die Situation mit einem kleinen Scherz auflockern könnte? Am liebsten hätte sich Mats Staude vor die verschlossene Gästezimmertür gestellt und ein Lied der Ärzte abgespielt.

»Du warst wirklich mal ein süßes Kind«, summte er leise. Weil er jedoch keinen Sohn, sondern eine Tochter hatte, verzichtete er darauf, den Song Junge anzustimmen. Er ahnte, wie humorlos Larissa reagieren würde, daher klopfte er lediglich an die Tür.

»Larissa-Schatz, wir müssen gleich los. Dein Zug fährt in einer knappen Stunde, und du weißt, wie voll es um den Bahnhof ist. Gerade freitags.«

Er lauschte, doch aus dem Zimmer drang keine Antwort.

»Hast du mich gehört?«

»Ja.«

Staude blieb vor der Tür stehen und hoffte auf ein paar Worte mehr. Doch offenbar war für Larissa damit alles gesagt.

Mit gesenktem Kopf ging er zurück ins Wohnzimmer. Um sie nicht zu sehr unter Druck zu setzen, gab er ihr noch ein wenig Zeit. Spätestens in einer Viertelstunde müssten sie aufbrechen. Vielleicht käme Larissa ja von allein aus dem Zimmer.

Er schaute aus dem Fenster der Hamburger Dachgeschosswohnung. Vor drei Wochen hatten in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien begonnen, und seine 17-jährige Tochter war direkt zu ihm gekommen. Drei Wochen fort aus Köln, weg von ihrer Mutter. Vater-Tochter-Zeit, die sehr harmonisch angefangen hatte. Bis Larissa auf einer Party ihrer besten Hamburger Freundin den falschen Typen kennengelernt hatte. Seitdem hatte sich ihr Verhalten total gewandelt. Er hatte sich für sie die erste Hälfte der Ferien freigeschaufelt und wenig gearbeitet.

War das jetzt ihr Dank?

Alles bloß wegen des Mistkerls, der ihr Flausen in den Kopf gesetzt hatte.

Wieso war seine eigene Tochter so naiv und durchschaute ihn nicht? Es war so offensichtlich, was der schleimige Kerl bezweckte. Insofern war es absolut gerechtfertigt gewesen, seiner Tochter den Besuch der gestrigen Party zu verbieten. Egal wie lautstark sie sich deswegen gestritten hatten. Ihm war nichts anderes übrig geblieben, als ihr am Ende sogar Hausarrest zu geben.

Hoffentlich würde Larissa das in den nächsten Wochen einsehen. Sich mit ihr zu streiten zerrte an seinem Nervenkostüm – so selten, wie sie sich sahen.

Seufzend trat er vom Fenster weg und setzte sich auf die Couch. Er blickte zur Wanduhr.

Würden sie im Unguten auseinandergehen?

 

2

 

 

 

Larissa rief erneut das Chatprogramm auf. Vielleicht funktionierten die Benachrichtigungen nicht. Zu ihrer Enttäuschung war in den letzten Minuten keine Mitteilung eingetroffen. Das war alles die Schuld ihres Vaters! Wie er sich gestern angestellt hatte. Als würde Joel sie auf einer solchen Party mit K.-o.-Tropfen betäuben und an Mädchenhändler verkaufen. Was für ein Unfug!

Sie konnte es kaum abwarten, in zwei Monaten volljährig zu sein. Dann wäre sie endlich erwachsen, und niemand dürfte ihr noch unsinnige Vorschriften machen. Mit achtzehn wäre sie gestern einfach losgefahren und erst mitten in der Nacht zurückgekehrt. Doch so, wie ihr Vater sich aufführte, stand es in den Sternen, ob sie ihm zuliebe zukünftig überhaupt noch die mehrstündige Zugfahrt auf sich nehmen würde. Nach dem Geburtstag ließe sie sich nicht länger wie ein Baby behandeln. Schon gar nicht von ihren Eltern!

Erneut entsperrte sie das Display und rief Joels Instagram-Profil auf. Er hatte bereits Bilder der gestrigen Party gepostet – was ihren Zorn anfachte. Die Veranstaltung schien ein absoluter Hit gewesen zu sein. Sogar einige Prominente, die sie aus dem Fernsehen kannte, waren gekommen. Joel hätte sie bestimmt bevorzugt behandelt. Das alles hatte ihr spießiger Vater unterbunden.

Larissa strich sich Tränen aus den Augen. Oh nein! Sie wollte nicht traurig werden. Besser war die Wut, die sie spürte.

Wie hatte es Papa wagen können, ihr den letzten Hamburger Abend zu vermiesen? Das würde sie ihm niemals verzeihen!

Larissa schaute zur Tür. Vom Frühstück abgesehen, war sie ihrem Vater bislang aus dem Weg gegangen. Trotzdem war ihre Reisetasche schon gepackt, denn sie wollte den Zug unter keinen Umständen verpassen. Aus einer Laune heraus änderte sie ihr Verhalten. Statt ihren Vater noch einmal im Flur antanzen zu lassen, griff sie zu ihrer Tasche und schloss die Tür auf.

»Wir können«, rief sie laut. »Nicht, dass ich hier auch nur eine Minute länger bleiben will.«

Ohne ihm die Chance zu geben etwas zu erwidern, öffnete sie die Wohnungstür und lief die Treppen hinab.

»Larissa!«, ertönte seine Stimme.

Sie konnte ein schadenfrohes Grinsen nicht unterdrücken. Offenbar war es ihr gelungen, ihn zu überrumpeln. Und das würde nicht die einzige unangenehme Überraschung sein, die ihn in der nächsten Stunde erwartete.

 

3

 

 

 

Mats Staude sprang vom Sessel auf, als er seine Tochter an der Tür hörte.

»Larissa!«, rief er ihr hinterher.

Er lief in die Diele und schnappte sich seinen Schlüsselbund. Auf dem Weg nach unten holte er sie nicht mehr ein. Sie wartete an der Beifahrerseite des Wagens, die Reisetasche vorm Hinterreifen abgestellt.

Er öffnete die Kofferraumklappe und lud die Tasche ein.

»Bist du bereit für die Zugfahrt?« Staude versuchte, seiner Stimme einen lässigen Klang zu geben.

»Klar«, antwortete Larissa. »Endlich zurück nach Hause. Nicht mehr im Gefängnis eingesperrt zu sein wird sich gut anfühlen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich freue heimzufahren.«

»Schatz, ich ...«

Sie setzte sich auf den Rücksitz und warf die Tür zu. Staude ließ ein Fahrzeug passieren, dann trat er auf die Fahrerseite und stieg ebenfalls ein. Sie hatte sich Kopfhörer in die Ohren gesteckt.

Er startete den Motor und akzeptierte zunächst ihr unmögliches Verhalten. Doch mit jedem zurückgelegten Meter steigerte sich seine Wut. Obwohl er Streitigkeiten normalerweise mied, konnte er sich das nicht länger gefallen lassen.

An einer roten Ampel wandte er sich ihr zu und zog ihr den Bluetooth-Kopfhörer aus dem Ohr.

»Hey! Was soll das?«

»Du hörst deinem Vater jetzt verdammt noch mal zu!« Im Innenspiegel sah er, wie sie mit den Augen rollte. »Ich hatte gute Gründe für meine Entscheidung. Deine Mutter hätte dasselbe gemacht.«

»Mama hätte mich auf die Party gehen lassen. Im Gegensatz zu dir ist sie nämlich cool.«

»Ach ja? Dann zeig ihr mal das Instagram-Profil von dem Kerl. Wenn deine Mutter das gutheißt, hat sie einen Gehirntumor.«

Larissa wandte sich ihm zu. »Hast du mir etwa nachspioniert?«

»Ich will wissen, mit wem sich meine Tochter abgibt. Und da du in den letzten Tagen so viel von diesem Joel gelikt hast, war das nicht schwierig.«

»Ich fass es nicht!«

»Hast du dir seine Fotos mal genauer angesehen? Ständig posiert er neben leicht bekleideten Mädchen, die kaum älter als du sind. Auf einem Foto protzt er mit einer Knarre rum.«

»Du stalkst mich! Unfassbar!«

»Das nennt man väterliche Fürsorge. Ich lass meine minderjährige Tochter garantiert nicht zu einer solchen Gestalt. Du bist doch sonst gegen Waffenbesitz! Findest die Amis deshalb total bescheuert.«

»Er ist Partyveranstalter und muss sich in der Öffentlichkeit inszenieren. Du checkst es nicht! Joel ist voll lieb. Ich wäre sein Ehrengast auf der Party gewesen. Da waren Promis! Das hast du mir versaut!«

»Larissa, du bist siebzehn! Wie alt ist dieser Joel? Dreißig?«

»Siebenundzwanzig!«

»Und wieso erklärt er einen zehn Jahre jüngeren Teenager zu seinem Ehrengast? Kannst du mir das verklickern?«

»Weil er cool ist und mich mag!«

»Er ist nicht cool, sondern spielt mit deinen Gefühlen.«

»Gib mir den Kopfhörer wieder.«

»Am Bahnhof.«

»Jetzt sofort!«

»Red nicht so mit deinem Vater.«

Larissa verschränkte die Arme vor der Brust und starrte nach vorn.

»Schatz, so bockig kenn ich dich gar nicht. Hat dich der Typ gegen mich ...«

»Er heißt Joel.«

»Hat er dich gegen mich aufgehetzt?«

»Das schaffst du ganz allein. Lass mich einfach in Ruhe.«

 

Zehn Minuten später kamen sie am Bahnhof an. Staude fuhr auf den Parkplatz. Vor ihm setzte soeben jemand aus einer Parknische zurück, und kurz darauf belegte Staude die frei gewordene Lücke.

»Ich ziehe eben ein Parkticket.«

»Musst du nicht. Gib mir meinen Kopfhörer, dann steig ich aus.«

»Ich bring dich natürlich zum Bahnsteig.« Staude verließ den Wagen und warf Kleingeld in den Geldautomaten. Er legte das Papierticket hinter die Windschutzscheibe. »Ich habe vorsichtshalber fünfundvierzig Minuten bezahlt, falls sich dein Zug verspätet.«

Wortlos stieg Larissa aus. Staude ging zum Kofferraum und nahm ihre Tasche heraus, die er ihr hinterhertrug.

Sie betraten das vor Menschen überquellende Gebäude. Larissa schlängelte sich schnell durch die Passanten. Er hatte Schwierigkeiten, ihr zu folgen.

»Sollen wir dir etwas zu essen kaufen?«, fragte er, als er sie endlich eingeholt hatte.

»Nein danke! Welches Gleis?«

»Vier.«

Gemeinsam gingen sie zum Bahnsteig. Staude schaute, in welchem Abschnitt Larissas Wagen halten würde und führte sie hin. »Hier hast du deinen Kopfhörer wieder.«

Sie steckte ihn wortlos ein.

»Hast du wenigstens etwas zu trinken dabei?«

»Brauch ich nicht.«

»Sei nicht so bockig.« Staude nahm sein Portemonnaie in die Hand und zog einen Zehneuroschein heraus.

»Ich kann mir mein Essen allein kaufen«, widersprach Larissa.

»Nimm es!«

»Nein!«

Er wollte ihr das Geld in die Jeanstasche stecken, doch sie wich einen Schritt zurück, sodass der Schein zu Boden segelte. »Herrje, Larissa!« Staude bückte sich.

Die Bahnsteigdurchsage kündigte den einfahrenden Zug an. Um sich eine weitere peinliche Situation zu ersparen, stopfte Staude den Geldschein zusammen mit dem Portemonnaie zurück in die eigene Tasche. Bis der ICE anhielt, sprachen sie kein Wort miteinander. Die ersten Fahrgäste stiegen aus, andere Reisende drängelten sich bereits zur Tür.

»Ich wünsche dir eine gute Reise. Und schick mir bitte eine Nachricht, wenn du zu Hause bist.«

»Hm-mh.«

Er versuchte, sie für eine letzte Umarmung an sich zu ziehen, doch Larissa wich ihm geschickt aus.

»Ciao«, sagte sie leise.

Sie reihte sich zu den anderen Wartenden, die langsam einstiegen.

Staude sah ihr hinterher. Für einen Moment verschwand sie aus seinem Blickfeld. Dann entdeckte er sie wieder. Larissa kämpfte sich zu ihrem Sitzplatz durch. Er hatte ihr vor ein paar Tagen zum Abschluss ihrer gemeinsamen Zeit ein Erste-Klasse-Ticket gekauft und für sie einen Einzelplatz reserviert. Sie hievte ihre Tasche in die Ablage und nahm den Platz ein.

Staude hoffte auf ein Lächeln oder ein Zuwinken. Stattdessen griff sie zu ihrem Smartphone und tippte eine Nachricht ein. An diesen Joel?

Der Zug stand noch mehrere Minuten am Bahnsteig, ehe die Ansage die Abfahrt ankündigte. In der ganzen Zeit sah Larissa nicht einmal auf. Auch als sich die Türen schlossen und der ICE losfuhr, schaute sie nicht zu ihm. Sie schenkte ihm keinen letzten Blick und kein Winken.

Staude schluckte einen Kloß im Hals hinunter. Das Erste-Klasse-Abteil verschwand aus seinem Sichtfeld. Er wandte sich der Rolltreppe zu und fuhr nach oben. Seine Enttäuschung über Larissas Verhalten schlug in Groll um. Daran war dieser miese Typ schuld, der sich an ein zehn Jahre jüngeres Mädchen ranmachte. Sofern seine Altersangabe überhaupt stimmte. Es würde ihn nicht wundern, falls Joel schon dreißig oder älter war.

Staude rempelte einen entgegenkommenden Passanten an.

»Passen Sie gefälligst auf!«, rief der.

Staude hielt nicht an, sondern beschleunigte seinen Schritt. Er konnte die in ihm gärende Wut nicht öffentlich an einem Unbeteiligten auslassen. Er musste einen anderen Weg finden. Und er wusste auch welchen.

»Das wirst du mir büßen!«, flüsterte er.

Er schaute sich um. Niemand schien ihn zu beachten. Doch das würde sich bald ändern.

 

4

 

 

 

 

Denise Kittel öffnete ihre blaue Handtasche und steckte das Fachbuch hinein. In den letzten drei Stunden hatte sie mit ihren Freundinnen Saskia, Theresa und Nina für die am Montag stattfindende Klausur gelernt. Die 20-jährigen Studentinnen hatten den kompletten Stoff besprochen und sich gegenseitig hilfreiche Erklärungen gegeben. In der ganzen Zeit war Denise gedanklich abgelenkt gewesen. Wie sollte sie mit der belastenden Situation umgehen?

»Was ist los mit dir, Denise?«, fragte Nina. »Du warst die letzten Stunden ziemlich still.«

Denise zögerte. Konnte sie ihre Freundinnen ins Vertrauen ziehen? Oder wäre es besser, das Ganze erst einmal mit sich selbst zu klären, bevor sie jemandem davon erzählte?

»Die Klausur macht mir diesmal richtig Sorgen«, behauptete sie.

Nina wirkte verblüfft. »Wieso denn das? Du wusstest auf fast alles eine Antwort.«

»Das stimmt«, sagte Saskia. »Wenn sich jemand keine Sorgen machen muss, dann bist du das.«

»Meint ihr?«

Die Freundinnen nickten.

»Ich hasse dieses Fach«, sagte Denise. Zumindest das war nicht gelogen. »Bin froh, wenn die Klausur hinter uns liegt.« Sie zwang sich zu einem Lächeln.

Theresa, die neben ihr saß, streichelte ihren Oberarm. »Aber sonst ist alles in Ordnung?«

»Klar. Ihr kennt ja mein Lampenfieber bei Prüfungen. Bis Montag schlafe ich bestimmt wieder schlecht.«

»Dann lenk dich ab!«, empfahl Nina. »Du wolltest zu einer Party, oder?«

»Geburtstag von Julian«, bestätigte sie. »Aber ehrlich gesagt, bin ich ...«

»Stopp!«, rief Nina. »Du gehst da auf jeden Fall hin. Julian steht total auf dich.«

Saskia kicherte. »Oh ja. Du würdest sein Herz brechen, wenn du ihm absagst. Das kannst du ihm an seinem Geburtstag nicht antun.«

Denise seufzte. »Aus mir und Julian wird eh nichts. Der ist achtzehn. Fast noch ein Baby.«

»Wahrscheinlich denkt der, man müsse auf alten Pferden reiten lernen«, gluckste Theresa.

»Du Biest!« Denise täuschte einen Schlag an. »So alt bin ich gar nicht!«

Die Mädchen lachten. Es tat Denise gut, die trüben Gedanken zu verdrängen.

Nina brachte ihre Freundinnen zur Tür und umarmte sie zum Abschied. Saskia, Theresa und Denise liefen gemeinsam die zwei Etagen zur Haustür hinab. Sie unterhielten sich über den Kommilitonen, der mit sechzehn sein Abi geschafft hatte, und deswegen bereits mit ihnen im fünften Semester studierte.

»Ich find ihn ganz süß«, bekannte Denise. »Aber ich möchte gar nicht wissen, wen er alles eingeladen hat.«

»So viel älter bist du auch nicht«, sagte Saskia. »Geh hin, amüsiere dich und guck, was der Abend bringt. Theresa hat gerade nur Spaß gemacht.«

An einem Fahrradständer vor dem Haus hatten sie ihre Räder angekettet. Denise nahm ihren Schlüssel aus der Handtasche und öffnete das Bügelschloss.

»Wir sehen uns am Montag in aller Frische«, sagte sie und gab ihren Freundinnen zum Abschied Wangenküsse.

»Wenn auf der Party etwas Interessantes passiert ...«, begann Theresa.

»... erfahrt ihr davon«, versprach Denise. »Aber rechnet nicht damit.« Sie stellte ihre Tasche in den Fahrradkorb und schwang sich auf den Sitz. »Bis Montag!«

Da Saskia und Theresa in die entgegengesetzte Richtung mussten, fuhr Denise alleine los. So konnte sie in Ruhe nachdenken. Sollte sie Julians Einladung folgen? Vom leichten Altersunterschied abgesehen, fand sie ihn interessant. Er war der schlaueste Mensch, der ihr je begegnet war. Außerdem sah er gut aus. Es wäre spannend herauszufinden, mit wem er befreundet war. Und obwohl sie ihren Freundinnen gegenüber etwas anderes behauptete, störten sie die zwei Jahre Altersunterschied nicht sonderlich. Wenn er also nicht bloß verschrobene Freunde hatte, die sich ausschließlich über Marvel-Filme unterhalten würden, könnte das ein aufschlussreicher Abend werden.

Außerdem würde es ihr bestimmt guttun, auf andere Gedanken zu kommen.

Sie trat in die Pedale und wechselte vom Bürgersteig auf die Straße.

 

5

 

 

 

Er folgte ihr mit genügend Abstand. Zum Glück fuhren sie durch eine Tempo-30-Zone, sodass seine gemäßigte Geschwindigkeit nicht auffiel. Solange sich von hinten kein Fahrzeug näherte, könnte er die Distanz zwischen ihnen beibehalten. Zumindest, bis er zuschlagen würde.

Er hatte das nicht geplant. Trotzdem war er seit Jahren darauf vorbereitet, seine erregenden Fantasien umzusetzen. Wie oft hatte er nackt in seinem Rückzugsort gesessen und sich Dinge ausgemalt, über die er mit keinem Menschen sprechen konnte? Letztlich durfte er sich nichts vormachen. Niemand schuf ein geheimes Versteck, wenn er nicht vorhatte, eine Frau dorthin zu verschleppen.

Sein Plan war schlicht. In wenigen hundert Metern würde er beschleunigen und sie mit dem Wagen rammen. Sie würde im hohen Bogen vom Fahrrad fliegen und benommen liegen bleiben. Die Gelegenheit würde er nutzen, um sie in sein Auto zu verfrachten. Vielleicht verletzte sie sich bei dem Zusammenprall, selbst das wäre ihm recht. Dann könnte er sie gesund pflegen, und sie müsste ihm auf ganz spezielle Weise ihre Dankbarkeit beweisen.

Seine Erregung wuchs. Jahrelang hatte er sich in Fantasiewelten geflüchtet – jetzt war es endlich so weit.

Er wusste genau, welche Kreuzung infrage kam. Gleich würde sich sein Leben für immer verändern. Er berührte sich am Schritt.

Oh ja!

Wie oft hatte er sich mit geschlossenen Augen befriedigt und dabei vorgestellt, über eine Sklavin zu verfügen.

In einigen Stunden wäre sie gefesselt in seinem Versteck – idealerweise nur leicht verletzt und sofort verfügbar. Selbst, wenn er zunächst mit ihrer Pflege beschäftigt wäre, würde er den Umständen etwas abgewinnen. Er malte sich ihren nackten Körper auf der Pritsche aus. In seiner Fantasie wusch er ihr das verkrustete Blut ab. Mit einem Waschlappen würde er jede Stelle berühren und ihr dabei unablässig in die Augen schauen.

Er beschleunigte den Wagen. Nicht mehr lange und ihr altes Leben wäre vorbei.

 

6

 

 

 

Denise schaute auf ihre Uhr. Sobald sie zu Hause angekommen wäre, müsste sie unter die Dusche springen und sich überlegen, was sie für die Party anziehen würde. Sollte sie sich sexy kleiden? Die schwarzen Stiefel tragen, dazu einen knappen Rock und ein Oberteil, das ihren Bauch freiließ? Julian würde das bestimmt gefallen. In der Uni kannte er sie nur in legerer Kleidung. Aber was, wenn auf seiner Geburtstagsfeier wirklich bloß Nerds abhingen? Wäre sie dann von einem Haufen geifernder Jungs umgeben? Unwillkürlich dachte sie an die Fernsehserie Big Bang Theory. Sie malte sich aus, wie ihr Julian die Tür öffnete und ihm bei ihrem Anblick das Kinn hinunterklappen würde. Denise grinste bei der Vorstellung. Sie wusste um die Wirkung ihres Körpers. Immerhin trainierte sie dreimal die Woche in einem Fitnessstudio, dazu belegte sie zweimal wöchentlich einen Zumba-Kurs. An ihr gab es nicht ein Gramm überflüssigen Fetts. Trotzdem war sie seit einem Vierteljahr wieder Single, nachdem die Beziehung zu Theo in die Brüche gegangen war. Der kleine Rückfall vor vier Wochen spielte keine Rolle. Sex mit dem Ex in Notstandszeiten. Völlig normal und hoffentlich nicht folgenreich. Wegen des Studiums hatte sie in den letzten Monaten einfach keine Zeit gehabt, sich auf dem Markt neu zu orientieren.

War Julian trotz des kleinen Altersunterschieds ein Kandidat? Vielleicht würde sie das heute Abend herausfinden.

Noch einmal überdachte sie ihre Kleidungswahl. Wäre es nicht besser, ihre körperlichen Vorzüge weniger offensiv zu präsentieren? Außerhalb der Uni liebte sie es, sich freizügig zu zeigen. Hatte ihr das sogar teilweise das Problem eingebrockt, über das sie momentan lieber nicht grübelte?

Könnte sie mit Julian darüber sprechen, was passiert war? Er war mit weitem Abstand der intelligenteste Mensch, den sie kannte – aber besaß er auch genug Lebenserfahrung, um ihr einen guten Tipp zu geben? Denise bezweifelte das. Bestimmt würde er sich erschüttert zeigen, sich von ihr abwenden oder sie drängen, eine Entscheidung zu treffen, von der sie nicht überzeugt war. Sie musste in Ruhe darüber nachdenken, wen sie ins Vertrauen ziehen würde.

Denise vernahm das Geräusch eines beschleunigenden Fahrzeugs. Instinktiv schaute sie über die Schulter und erschrak. Ein schwarzer Wagen näherte sich rasch. Durch die getönte Scheibe konnte sie den Fahrer nicht erkennen. Sah er sie nicht, oder hatte er es bewusst auf sie abgesehen?

Denise riss den Lenker herum und wich zur Seite aus.

Doch sie reagierte zu spät. Mit voller Wucht rammte das Auto sie. Sie schrie entsetzt auf, als ihr Rad beim Aufprall unkontrollierbar wurde. Denise flog über den Lenker und streckte schützend die Arme aus. Der Asphalt kam näher. Zuerst krachte ihre linke Hand auf den Boden. Dann schlug sie hart mit dem Kopf auf.

Sie verlor das Bewusstsein.

 

7

 

 

 

In aller Ruhe schaute er sich um. Den Tatort hatte er perfekt ausgewählt. Einige hundert Meter zuvor war das Wohn- in ein Gewerbegebiet übergegangen. Allerdings hatte hier in den letzten Jahren der wirtschaftliche Niedergang für einen Kahlschlag gesorgt. Kein Firmengelände war noch in Nutzung. Er kannte die Bebauungspläne der Stadt Hamburg. Im Herbst würden Bagger anrollen und die alten Gebäude dem Erdboden gleichmachen. Danach würden die Grundstücke saniert, und in ungefähr drei Jahren stünden hier luxuriöse neue Wohngebäude, die für Höchstsummen verkauft würden.

Als er nirgendwo einen Spaziergänger erblickte, der den Anschlag zufällig beobachtet hatte, stieg er aus und öffnete den Kofferraum. Um das Mädchen zu seinem Versteck zu bringen, müsste er sie und das Fahrrad im Auto transportieren. Seelenruhig ging er zu ihr und beugte sich zu ihr.

»Mein hübscher Schatz«, flüsterte er.

Er entdeckte Blut und hob vorsichtig ihren Kopf an. Sie hatte sich eine kleine Platzwunde zugezogen, die jedoch nicht bedrohlich wirkte. Ihre Atmung war flach, ihr Pulsschlag verlangsamt. Dem ersten Eindruck nach hatte sie bei dem Sturz keine lebensgefährliche Verletzung erlitten. Nun ging es darum, sie schnellstmöglich ins Versteck zu bringen. Dort könnte er sie beobachten und feststellen, ob sie medizinische Hilfe benötigte oder sich von allein erholen würde.

Vorsichtig schob er seine Arme unter ihren Körper und hob sie hoch. Sie stöhnte leise. Erwachte sie bereits aus der Bewusstlosigkeit?

Unter ihrem Gewicht wankte er bei den ersten Schritten zum Kofferraum. Mit jedem Meter, den er zurücklegte, gewöhnte er sich an die Last.

Er erreichte den Wagen. In diesem Moment näherte sich ein Fahrzeug.

»Verdammt!«

Mit seinem Opfer auf dem Arm schaute er in die entsprechende Richtung. Ein Wagen hielt nur wenige Meter von ihnen entfernt an.

Was sollte er jetzt tun?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oktober

1

 

 

 

Till Buchinger kam aus der U-Bahn-Station und orientierte sich kurz. Das Hamburger Restaurant, in das ihn Doktor Gereon Hirthe eingeladen hatte, war eines von jenen, die Till noch nie besucht hatte. Vom Ausgang der Haltestelle aus sah er bereits das Neonschild über der Eingangstür. Er schaute auf seine Armbanduhr. Wie fast immer war er pünktlich – hoffentlich war auch Doktor Hirthe schon vor Ort.

Nicht zum ersten Mal seit dessen Anruf fragte er sich, was der Arzt von ihm wollte. Hirthe war Antjes behandelnder Frauenarzt gewesen. Seit der Beerdigung vor acht Jahren hatten sie jedoch keinen Kontakt mehr zueinander gehabt.

Till zog die Tür des Restaurants auf. Hinter einem Empfangspult stand ein junger Mann, der ihm ein knappes Lächeln schenkte.

»Moin«, begrüßte er ihn auf die Art, die man in Hamburg in den letzten Jahren wieder verstärkt hörte.

»Moin«, erwiderte Till. »Ich bin mit Doktor Hirthe verabredet. Ist er schon da?«

Der junge Mann warf einen Blick in ein Kalenderbuch und nickte. »Ich führe Sie zu ihm.«

Er ging voran. Nach wenigen Metern erkannte Till den Arzt. Zu Antjes Lebzeiten war der Mann Mitte vierzig gewesen. Antje hatte Till von Freundinnen erzählt, die den Gynäkologen ebenfalls aufsuchten. In ihrer Chatgruppe nannten sie ihn wegen seines guten Aussehens Doktor Love. Die letzten Jahre hatten dem Mann nicht geschadet. Im Gegenteil. Die grauen Strähnen in seinem schwarzen Haar standen ihm gut.

Hirthe entdeckte ihn und erhob sich. »Herr Buchinger.«

»Doktor Hirthe.«

Der Restaurantmitarbeiter zog sich dezent zurück. Till reichte dem Gastgeber die Hand. »Ihr Anruf hat mich überrascht.«

»Das dachte ich mir. Nehmen Sie Platz!«

Till setzte sich dem Arzt gegenüber. Einen kurzen Moment später tauchte eine Kellnerin an ihrem Tisch auf. In der Hand hielt sie zwei Karten.

»Wenn Sie Rotwein mögen, sollten Sie den spanischen Rioja nehmen«, empfahl Hirthe.

»Einverstanden. Dazu ein Glas Wasser mit Kohlensäure.«

»Bringen Sie uns bitte Ihre große Antipasti-Auswahl, vorausgesetzt, mein Gast hat nichts dagegen.«

Till wunderte sich zwar über das forsche Auftreten des Gynäkologen, hatte jedoch keine Einwände gegen seinen Vorschlag. Er nickte der Kellnerin zu, die sich daraufhin wieder zurückzog.

»Geht’s Ihnen gut?«, fragte Hirthe.

»Danke. Ich kann nicht klagen. Und selbst?«

Der Arzt seufzte. »Darauf komme ich später zu sprechen. Vorab sollen Sie wissen, dass ich in den letzten Monaten viel an Sie und Ihre Frau gedacht habe. Wahrscheinlich bin ich deswegen auf die Idee gekommen, Sie um dieses Treffen zu bitten.«

»Weswegen haben Sie an uns gedacht?«, fragte Till.

»Die letzte Patientin aus der Experimentalgruppe ist vor einem halben Jahr gestorben. Sie hat natürlich viel länger durchgehalten als die meisten Probandinnen, trotzdem waren ihre letzten Lebensmonate nicht sehr erfreulich. Der Krebs ist mit voller Wucht zurückgekehrt.«

Till runzelte die Stirn. »Welche Experimentalgruppe?«

»Na, Sie wissen schon, die experimentelle Therapieform, die ich auch Ihrer Frau vorgeschlagen habe. Und die sie nach reiflicher Überlegung abgelehnt hat. Erinnern Sie sich nicht mehr?«

»Antje hat davon nie etwas erzählt.«

Nun wirkte Hirthe überrascht. »Wirklich nicht? Oder haben Sie es bloß vergessen?«

»Glauben Sie mir. Ich habe nicht eine Sekunde von Antjes Leidensweg vergessen.«

Die Kellnerin kehrte zurück und schenkte ihnen einen kleinen Schluck des Rotweins ein. Hirthe kostete ihn und lächelte zufrieden. Till verzichtete auf eine Geschmacksprobe. Die Kellnerin füllte die Gläser auf und stellte Till das Wasser daneben.

»Hat Sie es Ihnen verschwiegen?« Hirthe sah betroffen aus. Mit der Zunge fuhr er sich über die Lippen.

Till nippte an dem Wein, nahm den Geschmack aber kaum wahr.

»Ungefähr ein halbes Jahr vor dem Tod Ihrer Frau erhielt ich von der Uniklinik ein Schreiben, in dem eine experimentelle Brustkrebstherapie vorgestellt wurde. Ihre Frau passte in das Anforderungsprofil potenzieller Patientinnen, daher habe ich ihr die Information weitergeleitet. Sie hat das sehr interessiert aufgenommen und bat mich um ein oder zwei Tage Bedenkzeit. Wenn ich mich richtig erinnere, wollte sie das mit Ihnen besprechen.«

Was sie definitiv nicht getan hat, dachte Till.

»Nach zwei Tagen meldete sie sich bei mir und lehnte die Therapieform ab. Damals fand ich das unverständlich. Mittlerweile habe ich mich eines Besseren belehren lassen. Zwei andere Patientinnen von mir kamen in die insgesamt zwanzigköpfige Gruppe, aber die Ergebnisse waren niederschmetternd. Für vierzehn Frauen hatte die Therapie gar keine lebensverlängernde Wirkung. Fünf Patientinnen lebten ungefähr ein halbes Jahr länger als zuvor vermutet. Das liegt jedoch im statistischen Rahmen. Lediglich die eine Patientin, die erst vor Monaten verstorben ist, galt vorübergehend sogar als geheilt. Nach dem, was ich in mir zugänglichen Quellen gelesen habe, hat sie harte Zeiten durchgemacht, direkt nach der Therapie wie auch in den letzten Lebensmonaten.«

Es fiel Till schwer, die Informationen zu verdauen. Hätte Antje im besten Fall sieben Jahre länger leben können? »Erinnern Sie sich, wieso Antje die Therapie abgelehnt hat?«

Hirthe trank einen Schluck Rotwein. »Sie wissen sicher: Die ärztliche Schweigepflicht gilt auch über den Tod hinaus. Trotzdem bin ich bereit, Ihnen ein paar weiterführende Auskünfte zu geben, im Rahmen meiner Verschwiegenheitsverpflichtung. Allerdings würde ich vorab gern mit Ihnen den eigentlichen Grund meines gestrigen Anrufs besprechen.«

Die Kellnerin näherte sich. Auf einem Holztablett brachte sie ihnen eine großzügige Antipasti-Auswahl, außerdem ein Körbchen mit verschiedenen Brotsorten. Sie stellte das Tablett genau in die Mitte des Tisches. »Lassen Sie es sich schmecken.«

»Weswegen haben Sie mich kontaktiert?«, fragte Till.

»Wegen meiner verschwundenen Nichte. Denise Kittel. Von ihr fehlt seit drei Monaten jede Spur.«

Till konnte den Namen zuordnen. Die Presse hatte ausführlich über ihr mysteriöses Verschwinden im Sommer berichtet. Die junge Frau war nach einem gemeinsamen Lernnachmittag mit Kommilitoninnen nie zu Hause angekommen. Die Polizei hatte ihr Fahrrad gut einen Kilometer von der Adresse entfernt gefunden, wo sich Kittel zum Lernen mit den Freundinnen getroffen hatte. Das Rad wies Unfallspuren auf.

»Ich sehe Ihnen an, dass Ihnen Denises Name in Erinnerung geblieben ist«, sagte Hirthe.

»Ja, ich erinnere mich.«

»In den ersten sechs bis acht Wochen fand ich die Arbeit der Hamburger Polizei vorbildlich. Das LKA hat nicht zuletzt mich ziemlich scharf verhört. Aber mit meinem Segen. Immerhin war ich vor den Freundinnen einer der Letzten, der Denise gesehen hat. Davon erzähle

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Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Marcus Hünnebeck
Bildmaterialien: depositphotos url: https://depositphotos.com/162020902/stock-photo-girl-with-bodyart-on-face.html
Cover: © Artwize
Lektorat: Ruggero Leò / Kirsten Wendt
Tag der Veröffentlichung: 29.12.2020
ISBN: 978-3-7487-6979-8

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