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Mathematik und Wirklichkeit

Moderne Physik als intellektuelle Religion. Zwei Essays Von:
Mathematik und Wirklichkeit
...Der Däne Sören Kierkegaard hat als großer Kritiker Hegels genau dies getan und anstatt abstrakten und allgemeinen Aussagen, die doch wahr sein sollen, seine eigene Existenz entgegen gestellt, die in einem Prozess der Entscheidung mündet: entweder – oder heißt es (übrigens ein Buchtitel des Dänen), ich muss mich bewusst entscheiden, ohne mich auf abstrakte „Wahrheiten“ oder vordergründige Wesensbestimmungen einzulassen (das hat Hegel getan), denn vor allem Wesen kommt die Existenz, also mein eigener Ansatz, meine Einsicht, mein Involviertsein in der Begegnung mit der äußeren Welt, inklusive meiner inneren Welt! Ich finde also nicht Wahrheit durch Selektion zwischen Außen und Innen, nicht durch alternatives Denken und Auswählen, nicht durch Abstraktion und Willen, ein „Ding“ zu finden, das Wahrheit heißt: ich muss mich vielmehr entscheiden als Existierender, und zwar zu etwas, das mich als wahr betrifft. So gesehen ist Wahrheit kein Ding, sondern ein Prozess, der gleichsam mit mir redet, weil er mich angeht. Im System der „Dingwahrheit“ macht das freilich keinen Sinn, weil ich hier keine allgemein gültigen Begründungen und Beweise geben kann wie ein Ding oder eine Sache, auf die ich hinzeigen könnte. Also: die moderne Physik scheint einerseits gefangen im alternativen Spiel zwischen Außen und Innen, kann auch nicht annehmen, dass es andere als Ding- oder Sachwahrheiten gibt und kontert dem Theologen mit seinem Gottesglauben mit er Forderung, doch bitte schön nicht Gedanken zu verdinglichen!
Andererseits aber macht genau dieses die moderne Physik: durch Leugnung der Arbeitshypothese Gott, wie sie sagt, hat sie einen Weg beschritten, der in Wahrheit nichts anderes als eine Substitution ist, ein Austausch der Arbeitshypothese, und zwar durch Reifikation gedachter mathematischer Vorstellungen hinein ins Wirkliche. Nun ist Mathematik als Gott allerdings einer, der auf Ding- und Sachwahrheiten aufgebaut ist. Credo in unum Mathematicam (ich glaube an die eine Mathematik) ist nichts anderes als die Auslieferung an Dinge und Verdinglichung, an Sachen und Versachlichung. Der Gott Mathematik kennt keine anderen Wahrheitsverständnisse, und er ist unbarmherzig mit Apostaten und denen, die Schwierigkeiten haben, ins mathematische Denken einzusteigen, von denen es ja heutzutage viele gibt. Die Mathematik ist ein gnostischer Gott, dem Wissen über alles geht und Demut fern ist. Nicht das Fach Mathematik ist ein Furcht und Zittern auslösendes Mysterium tremendum, ein numinoser Despot ohne Erbarmen, sondern der Gott Mathematik! Und mittlerweile hat er die ganze Welt, den weiten Globus unter seine Fittiche gebracht, um ihn vollständig zu technisieren und zu digitalisieren im Namen von Fortschritt, Ausbeutung und Gottlosigkeit, wobei ich an Gott, den Vater Jesu Christi, glaube, der die Welt gemacht hat im Gegensatz zu Mathematik und Physik: credo in unum Deum, patrem onmipotentem, wie es im Apostolikum seit Urzeiten heißt...

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Stichwörter: 
Carbon Based Lifeforms, Jacques Derrida, Dekonstruktivismus, Nietzsche,... mehr anzeigen
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