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Lilientod

Von:
Lilientod

Ana ist Brieffreundin der französischen Königin Marie Antoinette, die sie auch im Sommer 1784 wieder nach Versailles eingeladen hat. Doch Ana hat auch ein großes Geheimnis vor ihr: Sie ist die heimliche Geliebte des Königs. Eines Tages kehrt sie ihrer Heimat den Rücken und lebt von da an in Frankreich. Doch als wenige Jahre später die Revolution ausbricht, sind die wichtigsten Menschen in ihrem Leben in großer Gefahr. Wird Ana sie retten können?

 

 


Leseprobe: 

November 1784, Rumänien

Ana Luise von Krolock Prinzessin von Rumänien
30. November – Abends, Winterpalast

Kurz darauf hörte ich die Trompeten und Trommeln, die die Wachablösung ankündigten. Es war wirklich sehr schade, dass ich ihn nie wiedersehen würde. Ich mochte seine Gegenwart. Manchmal erinnerte er mich an den kleinen Wilhelm, der heute nur wenige Jahre jünger wäre als Károlyi.

Wil­helm war immer ein zarter, schmächtiger Knabe gewesen. Mein Vater – mit einem Herz aus Stein – ließ ihn ab seinem dritten Lebensjahr zum Soldaten erziehen: früh um fünf Uhr aufstehen, wenig zu Essen und kampieren auf freiem Feld. Hunger und Frieren sollten meinen kleinen Bruder hart machen. Er sollte der perfekte soldatische Prinz werden, den mein Vater sich schon ewig gewünscht hatte. Doch es kam anders. Wilhelm wurde vor unseren Augen immer schwächer, erkrankte schließlich und starb kurz vor seinem fünften Geburtstag. Ich schüttelte die traurigen Erinnerungen fort und stieg zügig die große Marmortreppe empor.
Es gab in der Vergangenheit aber auch schöne, glückliche Momente: Vika, die auf Friedrichs Rücken durch den Palast ritt und „Vite, vite!“ rief; Antonia, die einen Cricket-Schläger in einen De­gen verwandelte und besser parierte als ihre drei Gegner; Sarah und Alexandrine, die stundenlang das selbe Lied sangen; Herbert und ich beim heimlichen musizieren in einem der ungenutzten Räu­me. Mir vielen noch mehr solcher Augenblicke ein, während ich ein letztes Mal durch das Schloss streifte und im stillen Abschied nahm. Als ich eine Stunde später in meinem Bett lag, dachte ich wehmütig an die glücklichen Augenblicke hier, doch meine Zukunft in Frankreich schien glänzen­der und unbeschwerter.


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