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Liebe für eine kurze Zeit

Liebesgeflüster Von:
User: borgi53
Liebe für eine kurze Zeit
Eine Schonung ist ein Bestand von jungen, dicht stehenden und gleichaltrigen Bäumen.
Hunderte von kleinen Tannenbäumen stehen in Reih und Glied in der Schonung irgendwo am Niederrhein. Eigentlich nichts Besonders. Aber wenn man Nachts durch diese Schonung läuft und aufmerksam zuhört kann man Stimmen und leises Kichern vernehmen.


Diese kleinen Tannenbäume unterhalten sich. Sie sehen sich den Mond und die vielen keinen Sterne an. Sie biegen sich im Wind und trotzen dem Regen. Sie freuen sich wenn der Schnee sich auf ihre Äste legt und sie wunderschön aussehen lässt. Sie erzählen von der Zukunft und freuen sich darauf.

Denn diese kleinen Tannenbäume werden bald in den Wohnzimmern der Menschen stehen. Sie werden geschmückt und mit den Kerzen am Baum sehen sie richtig festlich aus.

Sie spüren das es bald schon so weit sein wird, und lassen sie vor Freude ganz schnell wachsen.
Eines Morgens geht es los. Menschen laufen durch ihre Reihen und mit einer Axt schlagen sie die Bäume. Ein Baum nach dem Andern fällt jetzt um. Kinder mit bunten Pudelmützen und roten Bäckchen spielen hinter den Bäumchen verstecken, und freuen sich auf die Bescherung. Sie sind es auch die maßgeblich an der Suche nach dem richtigen Baum beteiligt sind.

Eine Familie hat den richtigen Baum gefunden, und sie tragen ihn voller Stolz zum Auto. Der kleine Baum freut sich so eine nette Familie gefunden zu haben. Da macht es auch nichts aus wenn er für kurze Zeit geschnürt im Kofferraum liegen muss. Er ist gespannt auf sein neues Zuhause. Vor lauter Aufregung hatte er es versäumt sich von seinen vielen Freunden in der Schonung zu verabschieden. Aber es musste plötzlich so schnell gehen das sich jeder der Nächste war.

Als er endlich das Wohnzimmer sah, in das er hinein geschleppt wurde, freute sich der kleine Tannenbaum sehr. Es war ein gemütlich eingerichteter Raum mit einen großen Kamin und warmen Farben. Überglücklich seufzte er, aber nur ganz leise damit die Menschen es nicht hören konnten.

Am Abend vor dem heiligen Abend war es dann soweit. Er wurde festlich geschmückt. Viele rote Kugeln, eine Christbaumspitze, selbst gebastelte Strohsterne und eine Lichterkette schmückten ihn. Wenn das die anderen sehen könnte, dachte er voller Stolz.Und seine Tannenzweige richteten sich noch ein Stück weiter auf. Er wollte glänzen und seine Familie glücklich machen.

Unter ihm wurden die Geschenke für die Kinder gelegt. Bunte Päckchen im glänzendem Papier mit dicken Schleifen. Es war schön ein Tannenbaum zu sein. Der Kamin knisterte und die Kerzen brannten.

Nun ist Bescherung, und die ganze Familie steht jetzt vor ihm, dem schön geschmückten und stolzen Tannenbaum. Sie singen Weihnachtslieder. Der kleine Tannenbaum denkt an die kleinen Bäumchen die jetzt noch in der Schonung stehen, die keiner haben wollte. Sie stehen dort auseinander gerissen traurig vor sich hin. Sie sehen sich den Mond und die Sterne an und träumen von warmen gemütlichen Wohnzimmern.

Auch am ersten und zweiten Weihnachtstag bestaunen die Menschen den schönen Baum. Es kommen Gäste und er steht im Mittelpunkt des Geschehens.

Doch danach lässt das Interesse immer mehr nach, und der kleine Tannenbaum kann das nicht verstehen.Was geschieht hier? Warum singen sie nicht mehr? Und traurig lässt er seine Nadeln fallen. Es wurden immer mehr und einige Zweige waren schon ganz kahl.

Die Kinder die ihn doch so heiß geliebt hatten, sie sahen ihn kaum noch an.
Es kam der 6. Januar als dann plötzlich alle wieder vor dem Baum standen. Der kleine Baum freute sich, doch die Freude dauerte nicht lange an . Es wurden die roten Kugeln, die Sterne und die Lichterkette entfernt. Au, nicht so ziehen, das tut mir weh, schrie der kleine Baum. Aber sie hörten nicht auf ihn. Völlig nackt stand er nun da. Dann wurde er durch die Terrassentüre einfach auf den Boden geworfen, völlig lieblos.

Am nächsten Tag schleppte man ihn dann an den Straßenrand. Er sah sich um. Und er sah dort noch viele Bäume in der Straße liegen. Bäume die er schon aus der Schonung kannte. Keiner von ihnen lachte mehr, so wie vor dem Weihnachtsfest. Ganz langsam fingen sie an zu erzählen, jeder hatte seine eigene Geschichte, schön war´s. Aber jetzt mussten sie Abschied nehmen. Sie hörten das Geräusch immer näher kommen. Der Müllwagen würde sie jetzt alle einsammeln und dann wurden sie geschreddert.

Lebt wohl Freunde, es war schön, sehr schön.









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