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Grazie Italia

Wenn Sehnsucht brennt! Von:
User: borgi53
Grazie Italia
Die Abenddämmerung hat schon eingesetzt als wir den Gardasee erreichen. Viele tausend Lichter von den umliegenden Dörfern spiegeln sich im Wasser. Ich sage nur vier Worte, Worte die ich Jahr für Jahr wiederhole: Bitte kneif mich mal.

Mein Mann kneift mich nicht, er nimmt meine Hand und drückt sie ganz fest. Wir sitzen in unserem kleinen Cabrio und machen halt. Warum sehen die Sterne hier in Italien um vieles schöner aus als bei uns? Ganz leise drückt der See seine Wellen an das Ufer. Ein leichter Wind singt das Lied der Sehnsucht.

Wir fahren die Gardesanenstraße entlang und schnuppern die Seeluft.
Als wir im Hotel Romeo in Torri del Benaco ankommen, werden wir stürmisch begrüßt und dann in das Restaurant geschoben. Kleine italienische Köstlichkeiten und ein gutes Glas Rotwein sind das Begrüßungsgeschenk des Hotels.

Wir beziehen unser Zimmer. Zimmer 311 wie immer. Wir gehen auf den Balkon und es bietet sich uns ein atemberaubender Blick über den See. Die Kirchenglocke von Albisano läutet, und unser Blick richtet sich auf den kleinen Kirchplatz der von hier unten schemenhaft zu sehen ist.

Punkt sieben Uhr am nächsten Morgen begrüßen uns die Glocken der Kirche von Torri del Benaco. Sie spielen ein Lied das sie am Abend um neunzehn Uhr noch einmal spielen. Meistens stehe ich dann auf, gehe wieder auf den Balkon und fange die morgendliche Atmosphäre ein. Noch liegt ein leichter Nebel über dem See. Schwalben ziehen ihre Kreise über die roten Dächer der Häuser und setzten sich auf das Balkongeländer.

Ich lege meinem Mann einen kleinen Zettel auf mein leeres Bett:“ Bin zum See und pünktlich zum Frühstück wieder zurück“. Er kennt das schon. Er weiß das ich die Stimmungen einfangen möchte. So früh am Morgen bin ich fast alleine auf der Promenade unterwegs. Ich laufe an der Promenade entlang und summe ein Lied von Eros Ramazzotti und meine Seele baumelt. Die Berge der gegenüber liegenden Seite wirken ganz nah. Die Nase Napoleons wie man den Zacken des Monte Gù nennt, wirkt noch größer als sonst. Zu Füßen des Monte Gù liegt das Tal der Hexen.

Ich setze mich auf einen Stein und lasse meine Füße im Wasser baumeln. Schwäne mit ihren Jungen ziehen an mir vorbei. Der Wind wird stärker und es wird ein idealer Tag zum Surfen sein. Ich atme tief ein und es riecht nach feuchter Erde. Lange wird es nicht mehr so ruhig hier am See sein. Es ist ein Samstag und dann treffen hier Touristen und Italiener aufeinander.

Nach dem Frühstück zieht es uns in die Berge. Vorbei an alten Bauernhöfen, Kuh- und Blümchenwiesen genießen wir den Ausblick vom Monte Baldo aus. Das Geräusch eines Traktors und Hundegebell dringt an unser Ohr. Wir legen uns in eine Wiese und beobachten die Wolken.

Am nächsten Tag mieten wie uns ein kleines Motorboot und tuckern über den See. Abwechselnd übernehmen wir das Ruder. Ich schalt lieber mal einen Gang hinunter. Mein Mann dagegen gibt richtig Gas, und es scheint ihm auch Spaß zu machen.

Es ist Montag, und in Torri del Benaco ist Markttag. Mein Mann zieht es vor am Pool zu bleiben, während ich mich ins Getümmel stürze. Die Händler sind eifrig bei der Sache und freuen sich wenn Touristen feilschen und ihnen ein paar Brocken italienisch zuwerfen. Zuerst traue ich mich nicht so recht und überlege mir einen Satz den ich auf italienisch, möglichst fehlerfrei aussprechen kann. Es hebt mein Selbstwertgefühl und macht mich glücklich, wenn es verstanden wird. Und siehe da, ich bekomme Rabatt ohne danach zu fragen.

Als ich mit Tüten bewaffnet wieder an den Pool komme ist mein Mann auf der Liege eingeschlafen. So lange war ich doch gar nicht weg. Am Pool ist es noch sehr ruhig, die anderen Gäste sind noch auf dem Markt und erst gegen Mittag wieder zurück. Wir drehen einige Runden im Wasser und lassen uns dann von der Sonne wieder trocknen.

Am Abend spielt ein Klavierspieler vor dem Hotel Gardesana. Ein warmes gelbliches Licht liegt über der Piazza am Hafen. Die Boote im Hafen sind von blauen Tüchern überzogen und warten auf den nächsten Morgen. Ein kleines Fischerboot tuckert noch über den See, und wird bald in den Hafen einlaufen. Einige Künstler präsentieren ihre Bilder. Bilder mit den Motiven vom See. Wir setzen uns, bestellen zwei Gläser Rotwein und beobachten die Gäste die von einer kleinen Gasse aus die Piazza betreten.

Am nächsten Tag fahren wir mit der Fähre auf die andere Seite des Sees. Salò, Gargnano und Tremosine stehen auf unserer Liste. Die schroffen Felsen wirken so nah das man sie fast vom Auto aus berühren könnte. Und die schlanken Zypressen werfen ihre Schatten auf den Asphalt. Oberhalb von Tremosine machen wir halt um uns ein wenig zu stärken. Wir sitzen auf einer Terrasse mit Blick auf den See. Hier oben bemerken wir den preislichen Unterschied. Unten am See sind die Gerichte doppelt so teuer. Das Essen war gut, reichlich und sehr günstig. Der Wirt gibt uns seine Visitenkarte und würde sich freuen uns wieder begrüßen zu dürfen.

Schade das immer das was schön ist so schnell wieder vorbei ist. Auf der Rückreise halten wir noch bei dem Ort Mori an, um noch einige Einkäufe zu machen. Marzemino Weine und Grappa müssen unbedingt noch im Auto verstaut werden. Diese Köstlichkeiten helfen uns über den Winter. Und dann geht es wieder auf die Autostrada, aber unser Herz bleibt hier.

A dopo Italia!

Beiträge und Kommentare
Wichtiger Beitrag
welpenweste

Sehr schön eingefangen!
Wer schon mal am Gardasee war, kann es nachempfinden.
Günter

Wichtiger Beitrag
gittarina

mitten im Winter im Schnee und Frost... das lob ich mir und entsprechend warm ums Herz ist mir geworden bei Lesen Deiner Reisebeschreibung an den Gardasee, den ich auch sehr liebe....
Gitta

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