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Mama soll wieder glücklich sein: Roman

Cassiopeiapress Unterhaltung Von:
Mama soll wieder glücklich sein: Roman

Der Brief sah teuer aus, edles, geprägtes Büttenpapier, die Adresse mit einer wie gestochen wirkenden Handschrift geschrieben. Und er kam als Einschreiben mit Rückschein. Er war wirklich an sie, Sandra Hökers andressiert. Der Absender war eine Rechtsanwaltskanzlei aus der Nähe von Frankfurt, was der jungen Frau aber auch nichts sagte.
Sie unterschrieb ein wenig verwirrt und ging ins Haus zurück. Die Kinder Jessica und Patrick waren in der Schule, Lars, ihr Mann, der als Oberarzt in der hiesigen Klinik arbeitete, hatte noch Dienst.
Sandra legte die übrige Post auf den Küchentisch, hielt den weißen langen Brief aber nachdenklich in der Hand und starrte darauf. Schließlich entschloss sie sich, ihn zu öffnen.
„Wir schreiben Sie an in der Testamentsvollstreckungssache Alois Hinterleitner und Sarah Bittermann“, begann das Schreiben.
Sandra hielt inne und vergewisserte sich noch einmal, dass der Brief wirklich an sie adressiert war. Sie schüttelte den Kopf, diese Namen sagten ihr nichts. Oder doch?
Irgendwo in ihrem Hinterkopf tauchte ein Gedanke auf. Doch erst einmal las sie weiter.
„Sie werden hiermit gebeten, sich zur Eröffnung des Testaments der verstorbenen Sarah Bittermann einzufinden.“ Uhrzeit und Adresse wurden genannt. Sollte sie etwa eine Erbschaft machen?
Jetzt fiel ihr auch wieder etwas zum Namen Sarah Bittermann ein. Es war die Schwester ihres Vaters gewesen, allerdings das schwarze Schaf, zu dem niemand Kontakt hatte. Bis auf das eine Mal, da Sandra und Sarah eher zufällig aufeinandergetroffen waren und sich auf Anhieb gut verstanden hatten. Das war bei einem der, Gott sei Dank seltenen, Familienfeste gewesen, vor mindestens elf oder zwölf Jahren. Sandra hatte sich anschließend eine Menge böser Worte anhören müssen, weil sie es gewagt hatte, mit der „Ausgestoßenen“, die doch wahrhaftig die Stirn hatte, hier zu erscheinen, freundschaftlichen Umgang zu pflegen.
Und jetzt dieses hier. Offensichtlich war Tante Sarah gestorben. Sandra erinnerte sich wieder an sie, eine offene fröhliche Frau, die so ganz anders war als ihr meist etwas verschlossener Vater.
Die Kinder kamen gerade aus der Schule. Lärmend ließen sie die Tornister fallen, stürmten in die Küche, verlangten etwas zu essen und erzählten wild durcheinander, was ihnen heute widerfahren war.
Sandra war ein wenig geistesabwesend, was den beiden natürlich nicht entging. Jessica war elf, sehr reif für ihr Alter, intelligent, aufmerksam und mit der schon jetzt gut ausgebildeten Gabe, Dinge und Tatsachen in Worte zu fassen. Ihre Aufsätze und Diktate waren fast immer das Klassenbeste, dafür hatte sie zur Mathematik keinen sehr großen Drang, das Fach nahm sie als notwendiges Übel hin.
Patrick, der Neunjährige, war fast das genaue Gegenteil. Noch immer sehr verspielt, hielt er sich meist an seine Schwester, sie würde schon wissen, was gut war, und sie würde auch alles richten. Er war ein guter Rechner, wogegen das geschriebene Wort sein Gegner war, den er zu bekämpfen hatte. Untereinander stritt


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