Philosophisches
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| Der freie Wille...oder hatten wir das hier schon?...wenn ja, pardon |  |
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Von: philhumor BookRix-VIP
2614 Gruppenforen-Beiträge |
Wege zum freien Willen
Kariologiker: Die eigene Sicht ist ganz und gar nicht die eigene, sondern die eines Zustandes der letzten, aktuellsten Information. Jede neue Information konditioniert uns weiter und weiter und wenn wir uns sicher fühlen dann nur, wenn alle Perspektiven des eigenen Denkens ausgeglichen sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies eine willentlich unbeeinflusste Sicht ist. "Wir sind die Kinder unserer Zeit" und wir werden es bleiben. Egal, wie alt wir werden und egal, wie zufrieden wir dabei sind.
Ich glaube nicht, dass es den freien Willen gibt. Man darf sich da gerne etwas verbiegen, Mythen oder Religionen als Stützen nehmen, die ganz nebenbei erwähnt den Willen auch wieder beeinflussen, doch es wird sich an dem Individuum nichts ändern und man bleibt lesbar. ... Wie könnte der freie Wille denn aussehen? Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden, damit dieser Wunsch Wirklichkeit würde?
Kann man den freien Willen erlernen, üben? Ja: sich zusätzliche Optionen verschaffen.
Zum Beispiel: Wenn man versucht sich beim Tennis eine andere Schlagtechnik beizubringen, dann ist es meines Erachtens einfacher, nicht etwas verlernen zu wollen, sondern einfach etwas Neues dazuzulernen - als Alternative. Wirkliches Verlernen gibt es meines Erachtens nicht. Das ist der Nachteil unseres Gehirns. Es wurde so 'konstruiert', dass es alles behält, speichert: denn es könnte ja mal sein, dass sich das Erlernte als sinnvoll erweist. Meiner Meinung nach fehlt nur oft die Zugriffsmöglichkeit auf das Erlernte, Erworbene. Vorhanden ist es, aber es ist mitunter schlecht eingeordnet, schwer aufzufinden. Ein wenig 'Ordnung' machen im Gehirn schon beim Lernen - das kann sinnvoll sein. Beachten, wo man was speichert und ablegt: in welcher Kammer ist dieser neue Sachverhalt am Besten aufgehoben.
Das Problem ist, dass es oftmals solche Kammern noch gar nicht gibt. Das ist dann der Fall, wenn uns etwas gänzlich Neues begegnet. Dann sind Analogien hilfreich, Vergleiche mit dem Bekannten ,Vorhandenem, bereits Erlerntem. Das Neue geschickt hinzufügen zu dem bereits Erworbenem. Das ist so, als wenn eine Frau sich in jeder Saison eine große Auswahl an Kleidern, Schuhen und Accessoires kauft und sie nach keinem Schema einfach in ihren begehbaren Wandschrank hängt und stapelt. Am Ende sieht es dann eher wie in einer Rumpelkammer aus, als dass sie wirklich finde würde, wonach sie sucht. Dass unser Gehirn nicht zu einer großen Rumpelkammer verkommt - dafür sollte man schon sorgen. Das Nachdenken ist eigentlich ein Prozess des Aufräumens,des Sortierens.
Platon war beeindruckt, wie viele Erkenntnisse der Mensch gewinnen kann nur aus sich selbst heraus - nur aus dem Umsortieren und Neuarrangieren von bisher Gewusstem, von Fakten, die man wie Puzzle-Teile, wie Bausteine neu sortiert, zu einem neuen Bild bzw. einem Gebäude zusammenfügt.
Wenn man Interesse an einer Sache hat, neugierig ist auf ein neues Lernthema, dann baut man sich gewissermaßen so eine neue Kammer in seinem Gehirn, richtet sich eine leere Kammer ein, in die dieses spezifische neue Wissen wunderbar eingeordnet werden kann. Es schwirrt nicht suchend im Kopf umher, verzweifelt auf der Suche nach einer Möglichkeit, wo es einhaken kann, wo es denn haften bleiben kann. Will denn keiner diesen neuen Wissensbrocken haben?
Der Schlüsselfaktor für erfolgreiches Lernen ist Motivation: wenn eine solche leere, offene, empfangsbereite Kammer erstellt wurde und wartet darauf gefüllt zu werden - das ist dann Neugierde, die Spannung, die Erwartungshaltung, der Hunger der Seele nach Fakten, Wissen, die diese Kammer ausfüllen können.
Die Kunst besteht also darin, sich von vornherein motivieren zu können - auch dann wenn es notwendig ist etwas Neues zu lernen, aber man momentan absolut nicht motiviert ist. Diese Kunst der Selbstmotivation zu beherrschen, sie zu verstehen - das gehört auch in das Erziehungsprogramm für die Kinder, denke ich. Denn wenn Mathematik partout nicht haften bleiben will im Kinderkopf - dann liegt das nicht an mangelnder Begabung sondern an der Praxisferne der Mathematik. Das Gehirn kann nur das lernen, was es als nützlich erachtet.
Begeisterung fürs Abstrakte - die kann man erzeugen, indem man Brücken baut von der Praxis, der Realität, dem Alltag hin zu der abstrakten Welt - z.B. der Mathematik.
Wenn man sich also nun selber neue Optionen verschaffen möchte - sich einen freieren Willen antrainieren - dann mühe man sich nicht, den ersten erlernten Weg zu verbauen - ihn zu verlernen, ihn zuzuschütten - sondern einfach einen neuen Weg, eine neue Abzweigung anbauen, eine neue Alternative hinzufügen.
Ich könnte jetzt mich aufregen - muss es aber nicht. Ich könnte rauchen - kann es aber auch sein lassen.
Aversions-Therapien, die versuchen den vorhandenen, unerwünschten Weg zu zerstören, einem eine heftige Abneigung einzubläuen gegen diesen Weg - das ist meiner Meinung nach nicht so effektiv, wie das sich Hinwenden zu neuen Wegen.
Wenn man gewisse Wege und Bahnen im Gehirn nur noch selten benutzt, dann verkümmern sie allmählich - werden von Autobahnen zu Landstraßen und dann zu Landwegen und Gässchen. Bis man diese Wege fast vergessen hat, sie wuchern zu - die Mühe sie bewusst zu zerstören, die kann man sich sparen.
Lieber die erwünschten Wege vielfach befahren. Je öfter, um so bereitwilliger baut unser Gehirn diese Straßen weiter aus - denn dass sie oft befahren, genutzt werden, ist ein Zeichen dafür, dass Ausbaumaßnahmen sinnvoll sind. Die Verkehrsknotenpunkte zu den dazugehörigen Neuronen werden verstärkt und stabiler gemacht.
Sich viele erwünschte neue Seitenwege zulegen: dann hat man die Wahl. Wer sich nur auf einigen wenigen Hauptstraßen bewegen muss, der hat nicht vorgesorgt, der hat sich kaum Wege-Alternativen angelegt. Der freie Wille bedarf also der Vorbereitung. Wir sind nur so frei, wie es unser Wegenetz erlaubt.
Man muss die Funktionsweise seines eigenen Gehirns durchschauen und Rücksicht nehmen auf reale Begebenheiten: es sind Neuronen vorhanden, Verknüpfungen , Gehirn-Areale, die sich nur mit ganz bestimmten Aufgaben beschäftigen - all das ist heutzutage beobachtbar, kann man betrachten auf Monitoren. Wenn es keine 'Erase-Taste', keine 'Delete-Taste', keine Löschfunktion gibt in unserem Gehirn - dann sollte man sich damit abfinden und nicht wie Don Quichotte gegen Windmühlen ankämpfen.
Das Ziel heißt nicht verlernen des Störenden, sondern Neues hinzulernen, neue Wege sich eröffnen. Genau das ermöglicht unser Gehirn: den freien Willen kann es in die Tat umsetzen in einem immer größeren Freiheitsgrade, wenn wir es denn anstreben. Die Tiere sind festgelegt auf bestimmte vorprogrammierte Bahnen durch ihren Instinkt. Dieses ererbte Programm wird modifiziert, angepasst an die jeweilige Situation, den Erfordernissen gemäß zurechtgeschnitten. Doch dieses ist keine Freiheit: es ist die Situation, die Umgebung, die das endgültige, fertige Aussehen des Programms bestimmt.
Freiheit beginnt dort, wo man sich erhebt über die Gebundenheit des Gegebenen. Neue Wahlmöglichkeiten hinzufügt, ergänzt, um sich zu lösen von der Unfreiheit des Standard-Reiz-Reaktinsschemas.
Zur Frage ob es überhaupt eine freien Willen gibt: Man muss nicht nur das Ende eines langen Entscheidungsweges betrachten. Wer sein Ich definiert, begreift als Bewusstsein - der betrachtet lediglich einen Teilausschnitt seines eigenen Selbst , seines Ichs. Das Unterbewusstsein gehört genauso zum Ich dazu. Es ist der langwelligere Teil, der Teil, an den man direkt nicht so gut herankommt, den man aber indirekt beeinflussen kann, verändern kann. Der Zugriff ist nicht unmöglich.
Wenn man z.B. den Weg einer Gesetzesvorlage verfolgt zum letztlich veröffentlichten Gesetz, dann bedarf es der Vorbereitung, Planung. Alles das, was ich vorher gesammelt habe in meinem Unterbewusstsein - und all das, was hinzugefügt wurde ohne mein aktives Mitwirken - all das beeinflusst mich, macht mich aus. Hier gestaltend mitzuwirken ist nicht unmöglich.
Der Anteil des Unterbewusstseins mag heutzutage erschreckend dominierend wirken. Es ist, als habe man entdeckt, dass es ganz neue Länder und Kontinente gibt, die bisher im Verborgenen lagen, gewissermaßen im Nebel verhüllt. Sind diese nebelverhüllten Gebiete, Reiche so etwas wie Avalon, die keltische Anderswelt? Dorthin wohin man zu reisen vermag in der Visualisation - aber auch körperlich - aber es ist eine bedenkliche, verwegene Reise. Gefahrvoll. Diesen Eindruck, diese Szene müssen die alten Völker so empfunden haben und versucht haben, dieses zu beschreiben in der Metapher, in dem Bild von der Anderswelt. Beide Reiche miteinander zu vereinen, Grenzgänger sein, hin- und hermarschieren als Held zwischen beiden Reichen - wem das möglich ist, der wurde schon in der alten Zeit verehrt, bestaunt, Legenden wurden über ihn verbreitet.
Doch ist es nicht jedem Menschen möglich, besseren Kontakt zu seinem eigenen Unterbewusstsein herzustellen? Es vor allem - und als erstes - nicht auszugrenzen aus seinem Ich. Das Selbst, das Ich ist wesentlich größer, als man gedacht. Und ob die Grenzen enden dort beim Unterbewusstsein ist fraglich.
Aber zumindest diesen großen Bereich, das Unterbewusstsein mit einzubeziehen in das eigene Selbstbild, es nicht zu verleugnen, es aktiv mitzugestalten, es wagen es zu betreten - all das ermöglicht einem zu sagen: ich handle frei.
Handle zwar meist völlig nach Vorgaben meines Unterbewusstseins - aber es ist Teil von mir, meine Mühe und meine Arbeit steckt auch darin. Die Trennung mag aus wissenschaftlicher Sicht Sinn machen, doch sollte man nie vergessen, dass Unterbewusstsein und Bewusstsein eine Einheit sind. Wir sind nicht getrennt, Zwitterwesen, in uns ist kein verborgener Akteur - sondern wir sind es selbst: es ist so, als ob man seine Fußzehen betrachtet und leugnet - nur weil sie so weit entfernt seien - dass sie zu einem gehören.
Ob man sich als eine Einheit empfindet - das ist eine Ansichtssache. Man kann beliebig viele Teilaspekte des Ichs kreieren, sie mit Namen und Etiketten versehen, so wie es die Psychologie heutzutage tut. Es macht Sinn, solange man wissenschaftliche Erkenntnis damit verfolgt. Man muss für Teilbereiche Namen haben, sie benennen können. Doch sollte man es vermeiden seinen Patienten einzureden sie hätten ein getrennt von ihnen agierendes Unterbewusstsein. In dem Moment erzeugt man genau dieses Phänomen: man trennt den Bereich zwischen Unterbewusstsein und Bewusstsein.
Das Gehirn spielt jedes Spiel mit: Jede Ansicht von der Realität und vom eigenen Ich wird übernommen, angenommen, wenn man es sich denn lange genug einredet. Meines Erachtens ist es die beste Ansicht, dass man sich selbst als Einheit begreift und so agiert. Indem man dieses tut, erzwingt man die Einheit. Das Ich schafft sich selbst sein Bild vom Ich.
LG Phil Humor
Erstellt: am 26.10.2010 um 16:17:07
Dank Philosophie und Humor kommt mir das Leben lebenswert vor.
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Von: helgas. High Society Mitglied
4323 Gruppenforen-Beiträge |
Ein sehr interessanter Vortrag....
doch ich kann auch durch die Einbeziehung des Unterbewusstseines in alle Überlegungen zum Thema keine klare Beantwortung der Frage, gibt es den freien Willen oder nicht, herauslesen....auch keinen Weg dahin. Man kann sich als Einheit betrachten, das hieße aber die Realität und deren unzweifelhaften Einfluss auf unser Ich auszuklammern, damit wäre man bei einer Teilwahrheit und um die ging es ja nicht. Man hat einen Willen und kann handeln oder nicht, wenn man nur sich (völlig losgelöst, was man natürlich nur theoretisch ist)) als Einheit sieht, wäre irgendwann und irgendwie auch ein freier Wille möglich...habe ich es so richtig verstanden? Mir ist das zu realtätsfern, es überzeugt mich auch nicht. Ist es nicht eher so, dass die Menschen sich nur frei fühlen und somit glauben, sie handelten frei?
Erstellt: am 26.10.2010 um 16:37:07
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Von: cupidoo Tastenklopper
39 Gruppenforen-Beiträge |
Freier Wille GEGEN Gesellschaft
der Frei Wille ist eigentlich nur die Möglichkeit zu entscheiden und sein Leben Bewusst in andere Bahnen zu lenken mit allen Konsequenzen. Der Gegner vom Freien Willen ist wie immer nur die Illusion der gesellschaftlichen- Sicherheit, ich war jetzt im Sommer am Jakobsweg und habe mich aller Sicherheit entzogen, bin fast ohne Geld los ohne Handy ohne Uhr und ohne Reiseführer und bin zu dem Entschluss gekommen, dass wir sehr wohl den Freien Willen haben und das die Welt wunderschön ist mit allen Inhalten nicht wie die Medien uns vermitteln (eine Schreckensmeldung nach der anderen). Es gibt etwas das auf uns achtet, freier Wille erfordert Mut aber wenn man einmal diesen Weg einschlägt wird man geleitet man wird kreativ Situationen zu meistern, Entscheidungen zu treffen und durch diese Bewusste Entscheidung dann die neue Realität zu erleben und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen, wenn diese Entscheidung falsch war muß man halt eine neue Entscheidung treffen aber dafür sind wir ja hier wir sind schöpfer unserer Realität durch den freien Willen. Wir Menschen sollten uns nicht in ketten legen lassen, wenn alles Sicherheit weg ist, fängt das Leben erst richtig an, man erfreut sich an einem Lächeln an einem Austausch der Gedanken, man erfreut sich an der Natur und gibt und gibt und bekommt unendlich viel zurück.
Erstellt: am 26.10.2010 um 16:41:22
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Von: Gelöschter Account
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sich zusätzliche Optionen verschaffen
Ich meine auch, dass wir den freien Willen öfter zur Verfügung haben könnten, als wir glauben. Sich zusätzliche Optionen verschaffen finde ich einen wertvollen Hinweis. Vieles, was wir für einen Zwang halten, ist vielleicht kein wirklicher, wenn wir uns Freiheit zugestehen würden. Vieles glauben wir, machen zu müssen, haben zu müssen, erfüllen zu müssen. Da kann es helfen, einmal eine Erfahrung zu machen, wie cupidoo sie beschreibt, seine Wünsche zu reduzieren oder sich innerlich neue Optionen zu verschaffen. Ich jedenfalls habe festgestellt, dass es mir immer besser gelingt, frei, bzw. freier zu handeln als "gestern" noch. Und ich lerne immer weiter (ähnlich wie philhumor es beschreibt).
Erstellt: am 26.10.2010 um 21:56:23
Letzte Änderung: am 26.10.2010 um 21:58:02
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Von: Gelöschter Account
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Freier Wille?
Leider, leider - die moderne Hirnforschung hat festgestellt, dass es gar keinen freien Willen gibt, denn in bevor ein Entschluss von uns gefasst wird, sind bereits chemische Eigenschaften messbar, die belegen, dass der von uns angenommene freie und selbstständig gefasste Entschluss in Wahrheit nur eine Reaktion ist.
Interessante Artikel findest du hier:
http://www.zeit.de/2008/17/Freier-Wille
http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille
http://www.stern.de/wissen/mensch/hirnforschung-freier-wille-eine-illusion-617174.html
Erstellt: am 26.10.2010 um 22:42:54
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Von: Gelöschter Account
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Die einen sagen so, die anderen so :-)))
Lieber Georg, ich habe die Artikel hinter deinen Links aufmerksam studiert und kann zumindest bei den beiden Zeitungsartikeln keinen Widerspruch feststellen zu meiner Aussage oder der von philhumor. Lediglich der Schluss, der daraus gezogen wird ist ein anderer, meine ich.
"Es scheint, als würde die unbewusste Entscheidung im Gehirn vorbereitet und dann eine Zeit lang dort vor sich hinschlummern, bevor sie den Weg ins Bewusstsein findet", sagt Haynes im Gespräch. Zu dem Unbewussten können wir uns Zugang verschaffen, wenn wir es wollen und üben, habe ich erfahren. Sodass immer mehr Unbewusstes, bewusst und damit frei oder freier handhabbar wird.
Der Wikiartikel benennt ja viele verschiedene Aspekte, Modelle und Schlussfolgerungen. Da finden wir beide Bestätigungen für unsere Annahmen. Wie gesagt: die einen sagen so, die anderen so.
Natürlich wäre auch zu klären auf welcher Ebene wir von freiem Willen sprechen.
Es könnte möglicherweise einen Unterschied machen, ob wir von der Freiheit gegenüber unbewußten Handlungen, gefühlten Zwängen ... usw. sprechen oder von Freiheit gegenüber einer Vorbestimmung, die es vielleicht gibt?
Ich weiß nicht, ob es den freien Willen gibt. Ich weiß aber auch nicht, dass es ihn nicht gibt. Innerhalb meines Lebens habe ich bislang die Erfahrung gemacht, so wie ich es oben geschrieben habe, dass ich mich aus vielem befreien kann, was wie Unfreiheit im Willen wirkte.
In dem von dir empfohlenen Wikiartikel, der natürlich auch viele Aspekte enthält, die deine These unterstützen, habe ich folgendes Zitat (das mir gefällt *gg*) heraus kopiert:
„Eben so muß der entschlossenste Fatalist, der es ist, so lange er sich der bloßen Speculation ergiebt, dennoch, so bald es ihm um Weisheit und Pflicht zu thun ist, jederzeit so handeln, als ob er frei wäre, und diese Idee bringt auch wirklich die damit einstimmige That hervor und kann sie auch allein hervorbringen. Es ist schwer, den Menschen ganz abzulegen“ Immanuel Kant: Recension von Schulz's Versuch einer Anleitung zur Sittenlehre…“, 1783, AA VIII S.13
Ich bin gespannt auf den Fortgang der Diskussion.
So ausführlich geantwortet aus meiner Sicht habe ich, weil du mich direkt angesprochen hast.
herzlichen Gruß
Erstellt: am 26.10.2010 um 23:36:26
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Von: Gelöschter Account
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Jaja, genau, Brigitta, letztendlich mündet diese Diskussion an...
Jaja, genau, Brigitta, letztendlich mündet diese Diskussion an dem Punkt, ob das Leben nun determiniert vorherbestimmt ist (Schicksalsgläubigkeit) oder ob wir selber uns aktiv und bewusst sowie die Welt verändern (der freie Wille).
Mag sein, es handelt sich sogar um eine Mischung?
Erstellt: am 27.10.2010 um 00:55:04
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Von: Gelöschter Account
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Ein vielschichtiger Begriff
Der "freie Wille" ist weitaus vielschichtiger, als wir es uns hier selbst zu erklären versuchen. Die Links von cpt.gb sind in soweit hilfreich, als dass sie andeuten, was alles unser "Bewusstsein" einfärbt. Was man in der recht oberflächlichen Betrachtung nicht gesagt bekommt, um welche Ebene des Bewusstseins es sich dabei handelt. Wir denken vielleicht, dass wir unser Unterbewusstsein dirigieren können, doch das ist ein großes Missverständnis.
Gehen wir einmal von einem Reflex aus, als Beispiel für ein absolut autonomes Geschehen. Mehrere zehntel Sekundenbruchteile bevor uns etwas ins Auge fliegt schließen wird das Lid. (Pupillar-Reflex) Dieser Reflex ist vollkommen vom Willentlichen agieren ausgeschlossen. Genauso verhält es sich mit den präaktionem vorgenommen, regulatierenden Ausschüttungen von beispielsweise Dopamin oder Endorphin im Gehirn. Vermittler dieser Reaktion oder Auslöser sind nicht etwa der freie Wlle, sondern das, was wir auf einer der vielen Ebenen des Unterbewussten schon gemacht haben, bevor wir eine scheinbar willentliche Aktion einleiten.
Über das Auge habe ich nur den Reflex erwähnt, dabei werden wesenliche Reaktionen durch eine Vielzahl von vererbten Verhaltensmustern über das Auge gesteuert. Ich erwähnte irgendwo schon einmal den Blickwinkel von ca. 120°, eine wichtige Größe, weil das Auge ständig "hinter uns" oder so weit wie möglich nach hinten schaut, um Gefahren zu erkennen. Allein die Tatsache, dass wir auch diese Warnfunktion des Körpers nich willentlich wahrnehmen und sie unablässlich arbeitet, deutet darauf hin, wie viel der das Gehirn ohne unser Dazutun arbeitet.
Dazu kommt der sehr wichtige Geruchssinn. Die olfaktorischen Reize sind sehr viel feiner in der unteren Bewusstseinseben ausgeprägt, als dass wir sie vom Kochen her kennen oder vom Trinken. So essen wir mit der Nase. Ja, wir riechen mit dem Schmecken und würden ohne Geruch nur die Hälte schmecken, wenn nicht sogar weniger. Eine weitere Qualität des Geruchs sind die apokrinen Scheißabsonderungen unserer Mitmenschen, die von unserer Nese bis in atomare Anteile erriecht und die unser Verhalten sehr wesentlich beeinflusst und wodurch wir zu Reaktionen gezwungen werden, die weit unter der "gefühlten" Bewusstseinsebene liegt.
Ohne weitere Prävalenzen aufzuzählen ist es doch Tatsache, dass gerade der unbewusste Anteil einer Raktion und damit einer Beinflussung um ein Vielfaches höher, als es hier scheinbar angenommen wird. Dieses kleine Beispiel (ein Bruchteil dessen, was unbewusst statt findet) zeigt die Raektionweise der emotionalen Ebene sehr gut und wenn wir nun wissen, dass wir mit Reaktionen (teilweise bis auf unser "tierisches" Erbe zurückgehend) beeinflusst werden, von denen wir nicht enmal wissen, dass es sie gibt. Logischerweise muss man dann auch das einschränken, was hier über eine wllentliche Aktion gesagt wird.
Und so resümiere ich für mich: Wir sollten bessere Kenntnisse von unserem Körper haben, bevor wir weiter diskutieren. Ich weiß, viele finden das überflüssig, aber es wirft eine Perspektive auf den Diskussionsinhalt, der allei durch Fakten die Entschlussfähigkeit in Frage stellt.
Erstellt: am 27.10.2010 um 08:39:50
Letzte Änderung: am 27.10.2010 um 08:46:57
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Von: mondlady Hecht im Autorenteich
532 Gruppenforen-Beiträge |
Guten Morgen
Ich weiß nciht, ob die Indianer das so toll fanden, als man begann sie auszurotten... Lag das in ihren Genen oder wie? Ganze Völkerstämme gegen ihren Willen dahin gerafft.
Persönlich glaube ich auch nicht an den freien Willen. Schade, dass man ihn nicht hat. mondlady
Erstellt: am 27.10.2010 um 09:54:01
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Von: Gelöschter Account
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Mein unfreier Wille
zwingt mich, hier doch weiter mitzuelesen.
Die von Gb verlinkten Experimente kenne ich in ihren Originalversionen aus den 90ern. Sie brachten mich zu den Formulierungen in meinen vorigen Beiträgen. Man hat ja irgendwann gelernt. Und hat umgedacht. Manche/r hat das vor sich.
Was meinen Leute, wenn sie vom freien Willen sprechen?
Und was bitte, verdammt nochmal, ist denn nicht Illusion?
[Ich verweise für wirklich Interessierte hier mal auf Konstruktivismus und Poststrukturalismus. Wer das blöd findet, darf mich für einen fundamentalistischen Psychopathen halten. Das schmeichelt mir dann sogar; bitte schreibt es auch hierhin.]
Die Frage ist: welche Illusionen sind nützlich, welche schädllich? Es gibt einen freien Illusionsmarkt. Wohlsituierte Spießer, beispielsweise, leugnen besitzstandwahrend die Ausbeutung auf der ihr Wohlstand real, objektiv beruht. Sie müssten ja sonst kamelartig verzichten, wenn sie ihre eigenen Ideale ernstnähmen. Jeder/jedem das ihre/seine.
Alllsoo ... Wege zum freien Willen. Als ginge es um dem jeweils eigenen. Geht es nicht. Eine Eintscheidung braucht zehn Sekunden* im Hirn? Das kann man messen? Das wusste ich (Studium). Nun trage ich aber kein Gerät mit mir rum, das anderer Leute Hirn durchleuchtet. (Vielleicht bauen die das bald in Handys ein.) Und wenn doch, so beschlösse ich: diskret, Würde wahrend, wegzuschauen für elf Sekunden**, wenn eine Entscheidung ansteht. Interessant ist nämlich das Ergebnis, die Handlung.
*beliebig gewählte Zahl **beliebig gewählte Zahl plus eins
Und ins arbeitende Gehirn eingreifen geht auch noch nicht. Außer durch Werbung und Ähnliches.
Und dass die Prämissen der Experimente fragwürdig sind (und erst recht ihre Präsentation in der Nichtfachjournaille), thematisiere ich lieber unter Psychologen, verweise aber mal eben auf meine diesbzüglichen Wissensvorsprünge, kommt ja gut an hier. Schaut euch mal in Ruhe die beschriebene Versuchsanordnung, die Laborbedingungen an. Manche/r von euch wird drauf kommen. Zudem ist 60% nicht soo dolle verlässlich.
Mitdenken. Umdenken (Wegdenken geht nicht, sagt phil richtigerweise). Anwenden. Tschüss.
Erstellt: am 27.10.2010 um 09:59:09
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