Philosophisches
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| Drei Arten des Denkens: philosophisch - wissenschaftlich - alltäglich. |  |
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Von: philhumor BookRix-VIP
2614 Gruppenforen-Beiträge |
Drei Arten des Denkens: philosophisch - wissenschaftlich - alltäglich.
Drei Arten des Denkens: philosophisch - wissenschaftlich - alltäglich. Was zeichnet das philosophische Denken aus? Ist es seine Zielgerichtetheit - seine Art, eine Stufe nach der anderen zu begehen? Der Philosoph weiß ja nicht, was er sucht. Wie kann er dann zielgerichtet suchen?
Es ist ein Umherstöbern. Es ist so, als ob man sich in einer großen Öffentlichen Bibliothek umschaut: man ist neugierig auf das Angebot.
Der Marketingfachmann sagt: der Kunde weiß gar nicht so genau,was er eigentlich möchte. Erst wenn er das fertige Produkt sieht, dann kann der Kunde sagen: das gefällt mir, das kann ich verwenden, das macht Sinn für mich.
Der Philosoph ist also auf der Suche, so wie jemand beim Shopping. Man braucht nichts Konkretes, keinen Liter Milch oder ein Kilo Weintrauben. Es ist das Interesse am Angebot: was gibt es zu sehen in den Auslagen, was gibt es Neues. Der Philosoph betrachtet die Welt und alles was darin vorkommt als ein mögliches Shopping-Erlebnis. Könnte dieses Produkt mich interessieren, spüre ich eine Resonanz in mir, was muss ich verändern, damit ich diese Resonanz erzeugen kann?
Der Philosoph stromert so durch die Weltgeschichte und nimmt dieses und jenes in die Hand, betrachtet es und überlegt sich derweil, ob er das Produkt verwenden kann für ein neues Gedankengebäude, an dem er gerade arbeitet. Er hat unzählige solcher unfertigen Gedankengebäude - für sie alle benötigt er weitere Baustoffe, Baumaterialien. Seine Schwierigkeit ist, dass er nicht wie ein Techniker eine genaue Beschreibung geben kann von dem benötigten Bauteil. Keiner kann es für ihn anfertigen. Er kennt nicht die Maße und das Gewicht von dem, was er sucht.
Es hilft ihm, wenn er die Dinge nicht auf alltägliche Art betrachtet, sondern sie verfremdet, loslöst von ihren bisherigen Zusammenhängen und Funktionen. Wozu lässt sich ein Stuhlbein noch verwenden? Er kann lernen von Steinen, sie können ihn unterrichten. Durch Analogien spricht die Natur zu ihm. Er kann Vergleiche ziehen, Muster erkennen, und diese als Bauplan verwenden für ein neues Gedankengebäude.
Die Empathie, das Sich-Hineinversetzen-Können in Andere, verwendet der Philosoph nicht nur für Menschen, sondern auch für die Tiere, die Pflanzen, die unbelebte Natur. Er ist ein Schauspieler, ein Mime, der zu dem Baum wird, um ihn verstehen zu können, um das Gesetz zu durchschauen, dem der Baum gehorcht.
Es ist ein gänzlich anderes Vorgehen und Denken als das des Wissenschaftlers, des Biologen. Auch das Alltags-Denken ist ein anderes: eignet sich das Holz von diesem Baum für Brennholz, lässt es sich gut mit der Axt spalten? Solche Gedanken - die Praxis betreffend - bestimmen das Alltags-Denken.
Jede dieser drei Denk-Arten ist erforderlich und hat ihre Daseinsberechtigung. Nur wird heutzutage das philosophische Denken als überflüssig betrachtet. Die Wissenschaft versorgt uns doch mit bombastischen Errungenschaften, wozu soll man diesen Prozess begleiten mit philosophischem Denken? Weil der Mensch schon immer sich selber fremd war in einem fremden Universum.
Sich vertraut zu machen mit dem Fremden - das kann einzig und allein das philosophische Denken. Es allein begreift und untersucht die Beziehungen, die die Dinge untereinander haben und die Beziehungen der Dinge zum Philosophen selbst. Sonst ergeht es uns wie dem Indianer, der zum ersten Mal Eisenbahn fuhr, und der sich fragte, ob seine Seele denn mitgekommen sei bei diesem Tempo.
Auf was der Blick des Philosophen fällt - ob Innenwelt oder Außenwelt - er betrachtet es mit ganzer Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Einem Gegenstand ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, das schafft einerseits größere Vertrautheit mit diesem Gegenstand und andererseits wird dieser Gegenstand entfremdet, verfremdet, losgebunden von seiner bisherigen Zugehörigkeit, seinem Eingebundensein in sein Umfeld.
Wie ein Juwel hält der Philosoph diesen Gegenstand seiner Betrachtung empor und widmet sich ihm ausschließlich - vermag in einen Dialog mit diesem Gegenstand zu treten dank seiner Empathie, seiner Bereitschaft und Fähigkeit sich selbst für einen Augenblick zu vergessen, sein eigenes Ich aufzulösen und Eines zu sein mit diesem Gegenstand.
Der Philosoph wird zum Baum. Klingt lächerlich, aber mit dieser Technik hat es die Philosophie geschafft uns Menschen in den Bereich der Wissenschaft hinzuführen. Mythen waren ein erster Erklärungsversuch. Die Wissenschaft ist ein weiterer Erklärungs- und Deutungsversuch dieser Welt. Darf der Philosoph aufhören und sich zur Ruhe begeben? Was liegt hinter dem Bereich der Wissenschaft? Nur der Philosoph vermag als Pionier, als Späher sich aufzumachen - und das Fremde, das Unerkannte zu ergründen mit seiner Aufmerksamkeit und seiner Achtsamkeit.
LG Phil Humor
Erstellt: am 28.09.2010 um 19:09:08
Letzte Änderung: am 28.09.2010 um 19:13:44
Dank Philosophie und Humor kommt mir das Leben lebenswert vor.
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Von: Gelöschter Account
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"Philosophieren beginnt mit dem Staunen über das Gewöhnliche"...
"Philosophieren beginnt mit dem Staunen über das Gewöhnliche" Platon
Ich sage, nur die Philosophie gewährt uns ganzheitliches Denken. Etwas das uns zunehmend fehlt und wir noch schwer benötigen werden. Die Philosophie ist die einzige Disziplin, die den nötigen Abstand hat und unbestechlich ist.
Die Philosophie ist nichts ohne alles, alles ist nichts ohne Philosophie.
Anmerkender Hinweis zum "Hineinversetzen": Thomas Nagel "What is it like to be a bat".
Erstellt: am 28.09.2010 um 21:29:18
"es gibt doch immer wieder welche, die es ganz genau wissen wollen"
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Von: Gelöschter Account
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Nachtrag: Szientismus und Kapitalismus
Szientismus und Kapitalismus sind die Religionen unserer Zeit.
Sie folgen ihren Vorgängern in gleicher Weise.
Erstellt: am 28.09.2010 um 21:35:16
"es gibt doch immer wieder welche, die es ganz genau wissen wollen"
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Von: Gelöschter Account
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Philsophisches Denken hat keine Unterschiede
Zu philosophischem Denken kann man nicht die Disziplinen austauschen. Viele denken philosophisch, wissen es aber nicht. Und dabei spielt weder eine Wisschenaft noch etwas anderes eine Rolle. Das ist das Gute an Philosophie.
Erstellt: am 28.09.2010 um 23:37:57
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Von: Gelöschter Account
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Aufgaben und Grenzen der Philosophie
Ersetzt man den Begriff Denken durch Bewusstsein, so ließe sich die Liste der möglichen Einstellungsweisen, in denen Bewusstsein sich vollzieht noch erweitern. Zu der wissenschaftlichen (naturwissenschaftlichen), der alltäglichen und philosophischen Haltung kämen dann noch die ästhetische und die religiöse hinzu. Im Idealfall könnte philosophisches Bewusstsein eine Vermitllungsfunktion übernehmen, in dem es versucht, Ganzheit in den Blick zu nehmen.
Aber auch philosophisches Denken/Bewusstsein vollzieht sich nicht im luftleeren Raum, abgekoppelt von einem Subjekt, das seine Subjektivität entschränken muss und dabeit stets auch dem Irrtum anheim fallen kann, indem es sich z. B. aus der Welt hinaus denkt.
Nur im Sinne Platons ist Philosophie unbestechlich. Zweifellos wäre es schön, wenn sie tatsächlich unbestechlich wäre. Es gibt aus meiner Sicht jedoch historische Gegenbeispiele, die das Gegenteil belegen.
Erstellt: am 29.09.2010 um 14:55:22
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Von: philhumor BookRix-VIP
2614 Gruppenforen-Beiträge |
Philosophie als Wissenschaft
madmaxl: Ich sage, nur die Philosophie gewährt uns ganzheitliches Denken. Etwas, das uns zunehmend fehlt und wir noch schwer benötigen werden. Die Philosophie ist die einzige Disziplin, die den nötigen Abstand hat und unbestechlich ist.
Anmerkender Hinweis zum "Hineinversetzen": Thomas Nagel "What is it like to be a bat".
Ich stimme Dir zu. Das philosophische Denken würde ich nicht begrenzen auf die Philosophie als Wissenschaft. Wer die Philosophie eingrenzen will in die Umzäunung, das Gehege einer wissenschaftlichen Disziplin, der sperrt sie ein und man kann sie bestaunen, so wie man seltsame Tiere in einem Zoo bestaunt. Die Philosophie ist frei, sie ist ein 'Wildtier'.
"What is it like to be a bat" Wir können nur erfahren wie es ist, eine Fledermaus zu sein, wenn wir sie in einem Interview dazu befragen, sie Stellung nehmen lassen zu ihrem Jagdverhalten und ihrer hängenden Lebensweise. Hier mischt sich das Aufgabengebiet des Autors und des Philosophen: Er kann Bewusstseinsbühnen schaffen für die Nicht-Sprechenden, die Sprachlosen, kann ihnen Stimme und Gehör verschaffen.
kariokariologiker: Philosophisches Denken hat keine Unterschiede
Zu philosophischem Denken kann man nicht die Disziplinen austauschen. Viele denken philosophisch, wissen es aber nicht. Und dabei spielt weder eine Wissenschaft noch etwas anderes eine Rolle. Das ist das Gute an Philosophie.
(madmaxl) "Die Philosophie gewährt uns ganzheitliches Denken" Ja, und deshalb muss sie sich wehren gegen jeden Versuch sie zu begrenzen und endgültig, definitiv festlegen, festnageln zu wollen. Dann wird sie unbeweglich, unflexibel und stirbt, so wie ein Bär, der in eine Bärenfalle getappt ist. Der Philosophie wurden schon viele Fallen gestellt. Hauptsächlich von religiöser Seite aus. Man wollte sie degradieren zur Magd der Theologie, als devote Dienerin solle sie ihr Leben fristen. Hah! Die Heiden hätten keine Religion? Nur die eine, bestimmte Sichtweise sei Religion und alles andere sei Aberglauben?
Nun, das mythische Denken hat uns selbst heute noch Vieles zu geben. Denn Denken in Ursymbolen ist für das Gehirn lohnenswert. Worte sind relativ jung und dem Gehirn nicht so vertraut. Was es kennt, das sind Bilder. Damit kann es arbeiten, Bilder mischen, verketten - Bildelemente untereinander austauschen: das ist ideal für unser Gehirn.
Wer nur noch in abstrakten Worten kommuniziert, der verliert sich im Worte-Wunderland. Schöne Wortgebilde, schillernden Seifenblasen gleich, die zerplatzen, wenn man sie mit der Realität in Berührung kommen lässt. Dazu neigt die Philosophie als Wissenschaft. Die engt den breiten Strom ein in unzählige kleine Bächlein und Kanälchen. Zurück zum breiten Strom, dem großen Fluss der Philosophie, der sämtliche Meere miteinander verbindet.
LG Phil Humor
Erstellt: am 02.10.2010 um 11:28:59
Letzte Änderung: am 02.10.2010 um 11:41:28
Dank Philosophie und Humor kommt mir das Leben lebenswert vor.
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Von: helgas. High Society Mitglied
4323 Gruppenforen-Beiträge |
Philosophisches Kauderwelsch
Ist mir aufgefallen beim Recherchieren...manche Größen leben im Bodenlosen.
Wer nur noch in abstrakten Worten kommuniziert, der verliert sich im Worte-Wunderland. Schöne Wortgebilde, schillernden Seifenblasen gleich, die zerplatzen, wenn man sie mit der Realität in Berührung kommen lässt. Dazu neigt die Philosophie als Wissenschaft. Die engt den breiten Strom ein in unzählige kleine Bächlein und Kanälchen. Zurück zum breiten Strom, dem großen Fluss der Philosophie, der sämtliche Meere miteinander verbindet.
Das ist wundervoll gesagt.
Erstellt: am 03.10.2010 um 19:51:35
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Von: Gelöschter Account
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Querverweis
Trifft das nicht ganz gut das, was gemein hin unter dem "Fachidioten" verstanden wird, wie es im Thread "Weisheit und Wissen" gefragt wurde?
Sehen wir uns nicht mit großen Problemen und Herausforderungen in unserer Welt konfrontiert, weil uns die ganzheitliche Denke und/oder der Überblick abhanden gekommen ist? Kann man den Überblick nicht nur bewahren, wenn man etwas Abstand einnimmt? Haben wir nicht Spezialisten für jedes Teil, bspw. in der Medizin, doch mangelt es an denen, die den gesamten Organismus als solchen behandeln? Ist dann nicht die resultierende (eher rhetorische) Frage, wieviel Kenntnis braucht jemand von einem Gebiet, um es zu verstehen, ohne Spezialist darin zu sein? Züchten wir (Verweis auf Bologna) nicht unsere Spezialisten oder doch eher Fachidioten? Können wir, bei der Komplexität, eigentlich noch Systeme fahren, bei dem eine Person an der Spitze steht und nicht nur ein Sprecher eines Gremiums ist?
Erstellt: am 03.10.2010 um 23:52:20
"es gibt doch immer wieder welche, die es ganz genau wissen wollen"
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Von: Gelöschter Account
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Wir denken mythisch.
Wir denken in Geschichten. Wir bedienen Diskurse. Im Englischsprachigen spricht man von "narratives", die gepflegt werden - die gepflegt und bedient werden müssen, um verstanden zu werden. Es gibt den Mythos der Machbarkeit, der das Gefühl nährt, alle Probleme könnten gelöst werden, alle Krankheiten geheilt.
Können wir, bei der Komplexität, eigentlich noch Systeme fahren, bei dem eine Person an der Spitze steht und nicht nur ein Sprecher eines Gremiums ist?
Das ist eine wunderbare Frage. Die Förderung des Spezialistentums, der Expertenhörigkeit ist antidemokratisch.
Zum Baum: den Ästen und Zweigen nachzugehen bis zu den Blattspitzen ist ja nicht falsch; zum Boden und zu den Wurzeln zurückzufinden, dazu haben wir die das gemeinsame Grübeln.
Erstellt: am 04.10.2010 um 06:20:24
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Von: helgas. High Society Mitglied
4323 Gruppenforen-Beiträge |
Eliten
Die Förderung des Spezialistentums, der Expertenhörigkeit ist antidemokratisch.
Schwierig und ob das wirklich antidemokratisch ist, wäre noch zu erörtern. Unsere Demokratie fördert die Eliten, über die notwendige Größenordnung ist man sicher unterschiedlicher Auffassung. Die Eliten sollen ganz sicher der Gesellschaft mit ihrem Können dienen und ganz spezielle, besonders schwierige Aufgaben lösen. Soweit so gut. Sie werden für breite Schichten der Bevölkerung allerdings immer unnahbarer, unverständlicher, abgehobener und das wollen sie auch sein, vermute ich. Eigentlich sollten sie sich ihres Auftrages bewusst sein und danach trachten, auch verständlich zu bleiben, wäre meine Auffassung. Aber...man schottet sich ab. Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, dass Eliten nichts mit "normalen" Menschen zu tun haben wollen. Sie möchten unter sich bleiben und das werden sie auch, isoliert und nicht verstanden...hier werden sie antidemokratisch. Sie entfernen sich von der Basis. Schade aber sicher kaum zu ändern. Die Menschen streben nach oben und verlassen den Boden unter ihren Füßen...ist eigentlich auch eine gefährliche Angelegenheit.
Erstellt: am 04.10.2010 um 11:22:57
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