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TOTALITER - ALITER
 1.



Von: Gelöschter Account
TOTALITER - ALITER

Genoveva hat dankenswerter Weise in einem anderen Thread dieses Buch eingestellt, Phil Humor hat sich darauf bezogen und Kario machte den Vorschlag, dem Thema einen eigenen Thread zu widmen.
Hier ist er!




Beitrag von Phil Humor:

Hello Genoveva,

ich habe mir einige Gedanken gemacht zu Deinem Buch: 'Totaliter Aliter'.
Dein Beitrag auf Seite 1 in diesem Thread.
Ich zitiere hier den ersten Teil:

Vorzeiten lebten in einer alten Benediktinerabtei zwei Moenche, die dort in beschaulichem Leben und gottgefaelligen Werken sehr alt geworden waren und ergeben und lebenssatt dem Ende ihrer Tage entgegensahen.

Einmal, als sie am Abend im Kreuzgang des Klosters ins Gespraech versunken wandelten, malten sie sich den nahenden Tod und ihren Eingang in den Himmel, des waren sie gewiss, in den schoensten Farben aus.

Wie sie so miteinander sprachen kam ihnen der Gedanke, dass sie wohl nicht zur gleichen Zeit sterben wuerden.

Damit nun der jeweils andere Bescheid bekaeme, ob ihre Vorstellungen ueber das ewige Leben in Gottes Gegenwart auch so sein wuerde wie sie es jetzt vor Augen hatten, versprachen sie einander in der Nacht nach ihrem Tode dem noch Lebenden im Traum zu erscheinen und Mitteilungen ueber den Himmel und seine Herrlichkeiten zu geben.

Da sie nun nicht wussten, ob sie dabei lange
reden koennten, vereinbarten sie, nur ein Wort dem anderen zuzurufen.

Wenn es so sein wuerde, wie sie es sich vorgestellt hatten, dann sollte der Verstorbene das Wort „TALITER“ ausrufen, was so viel bedeutet wie „es ist so, wie wir uns es vorgestellt haben.

„ALITER“ hingegen sollte er rufen, wenn es anders waere, als sie erwartet haetten.

Nicht lange danach verstarb einer von ihnen und in der folgenden Nacht erschien er seinem Mitbruder im Traum und sagte nicht ein, sondern zwei Woerter:

TOTALITER - ALITER - es ist total anders als in unserer Vorstellung!.



Totaliter Aliter: der Mönch, der dieses erfährt - ist er damit schlauer als zuvor? Zumindest weiß er dass noch eine Kontaktmöglichkeit besteht, dass es überhaupt ein Jenseits gibt. Aber das Jenseits scheint mit ausgesprochen schlechten Kommunikationsmöglichkeiten ausgestattet zu sein - denn seinem Kollegen im Jenseits ist nur diese Antwort im Telegramm-Stil möglich.

Totaliter Aliter - das sind 16 Zeichen - eine SMS hätte zumindest 140 Zeichen. Wie viel hätte der Mönch erfahren können über das Jenseits, wenn er eine SMS erhalten hätte? Ja, hätte er irgend etwas erfahren, selbst wenn ihm sein Kollege ein ganzes Buch diktiert hätte? Wie beschreibt man das, was völlig anders ist? Wenn Vokabeln fehlen? Ja, hätte er Bilder senden können - Fotos, Gemälde.

Wie bedauerlich, dass uns so selten Nachrichten aus dem Jenseits erreichen. Hin und wieder gelingt es einem auszubüxen oder zumindest beinahe, so wie Osiris in Ägypten oder Orpheus, Persephone - aber was wäre wenn wir genau Bescheid wüssten, was uns dort erwartet? Würde das nicht eine gehörige Portion Spannung herausnehmen aus diesem Spannungsbogen, der unser aller Leben überspannt?

Wenn wir gleichsam das Ende kennen, die allerletzte Seite im Buch, so wie bei einem Krimi, dann betrügt man sich selbst um den Genuss des Lesens - und ist das eigene Leben nicht wie ein Lesen, ein Wahrnehmen von Ereignissen, in die man involviert ist als Akteur, als Protagonist?

Wem es gelingt sich selber mit ein wenig Abstand zu betrachten, dem erscheint sein eigenes Leben wie eine Abenteuerreise, die man in Ruhe genießen kann, denn es ist ja alles bloß Fiktion. Ein Lese-Abenteuer. Der Held kann etwas wagen, kann sich dem Erzähler anvertrauen, kann versuchen von ihm zu erfahren wie es weitergeht, eine Vorausschau zu erhalten über die nächsten Seiten. Ja und dann die allerletzten Kapitel - oder gibt es danach einen neuen Band, eine Fortsetzungsgeschichte, die im Jenseits spielt?

Das genau wollen die beiden Mönche aus Deiner Geschichte wissen. Der eine sollte dem anderen verraten, wie der Folgeband weitergeht, und ob es solch einen Band gäbe. Nun ja. Die Antwort Totaliter Aliter beweist zumindest, dass es ein solches Buch gibt oder mehrerer solcher Folge-Bände. Denn es kam ja zumindest eine Antwort und kein Schweigen, keine Stille. Das Totaliter Aliter ist zumindest nicht das Nichts.

Wären wir über die Antwort 'Taliter' erfreuter? Wenn es genau so ist, entsprechend unserer bekannten Welt, wäre das nicht so, als müssten wir eine Wiederholung im Fernsehen betrachten, ein Remake oder eine identische Kopie?

Langeweile - das ist es, was wir hier mit am meisten fürchten. Langeweile ist einer der ganz großen Schreckensgestalten in dieser diesseitigen Welt. Soll sie im Jenseits auch wieder auftauchen? Totaliter Aliter verspricht, dass dem nicht so ist, verheißt ein völlig neues, nie erlebtes Erleben! Na, wenn das nicht hoffnungsfroh uns stimmt! Andererseits, es könnte auch bedeuten, dass alles noch viel gräulicher ist. Ach, die beiden Mönche hätten sich mindestens vier oder mehr Wort-Alternativen vorher vereinbaren sollen. Ist es besser, schlechter, bunter, öder?

Doch angenommen zwei Wüstenbewohner kommunizieren auf ähnliche Art. Der eine sieht das Meer, soll er nun sagen: Taliter, Aliter oder Totaliter Aliter?

Ist das Meer nicht einerseits ähnlich wie die Wüste? Ist es andererseits nicht andersartig? Und drittens ist das Meer nicht auch völlig anders als alles das, was die beiden Wüstenbewohner bislang kannten, mal vorausgesetzt sie waren noch nicht an der Küste? Es kommt auf das an, womit man es vergleicht. Wenn der eine es verglicht mit dem Wasser aus einer ihrer Oasen, dann könnte er sagen: Taliter. Das Meer ist ähnlich wie das Oasen-Wasser, nur größer, salzig und hat mehr Wellen.

Für weitere Berichte aus dem Jenseits sind wir jedenfalls sehr dankbar - vorausgesetzt, es ist etwas Erfreuliches. Ein Paradies wäre uns allen zu wünschen.

Vielleicht schaffen wir es nicht hier im Diesseits ein Paradies zu schaffen, weil wir es uns nicht vorstellen können? Deshalb die verzweifelte Antwort des Mönches aus dem Jenseits: Totaliter Aliter?

Doch wäre es wünschenswert das Paradies aus dem Jenseits ins Diesseits zu transferieren, zu kopieren? Den Himmel auf Erden: das ging noch nie gut dieser Versuch. Noch mehr höllenartig wurde es.

Wie wäre es, wenn uns die Jenseitigen fragen, wie es denn bei uns im Diesseits sei? Was würden wir ihnen sagen, wenn wir nur ein oder zwei Worte zur Mitteilung hätten? Nicht übel? Geht so? Großartig? Wird besser? -

Das waren einige Gedanken zum Jenseits.
Schade, dass es jenseits unserer Vorstellungskraft liegt - oder aber gut so?


LG
Phil Humor

Erstellt: am 19.10.2010 um 09:40:36
Letzte Änderung: am 19.10.2010 um 09:41:06



 2.



Von: Gelöschter Account
sehr diplomatisch!

sehr diplomatisch und klug.

Erstellt: am 19.10.2010 um 09:42:18



 3.



Von: genoveva
BookRix-VIP

704 Gruppenforen-Beiträge
Das fände ich sehr gut und würde mich darüber freuen!

Bin gespannt, wie es die hier schreibenden Philisophen sehen werden!

Komme gegen Spätnachmittag wieder, da ich gleich Besuch von meinen 3 Enkelkindern bekomme!
Die sind für mich auch so etwas wie"der Himmel auf Erden"!

Herzlichst
Annelie

Erstellt: am 19.10.2010 um 10:20:28



 4.



Von: Gelöschter Account
Der Himmel auf Erden.

Die Aufgabe, die uns fordert, uns nicht überfordert, in der wir aufgehen können, uns nicht verlieren, sondern finden.

Die Geschichte mit den Mönchen hat einen Haken. Sie würde bei der Hölle nicht funktionieren. Der Ort, über den spekuliert wird, muss positiv besetzt sein.
Die Hölle ist genauso, wie wir sie uns vorstellen können. Wir bringen sie mit. Der Himmel ist geschenkt, ein Gaul, dem wir nicht ins Maul schauen müssen.
Strittig ist lediglich, "wer" schenkt.

Wir brauchen immer einen Rest des Unvorstellbaren, weil manche Situationen so aussischtlos sind, dass nur akut nicht Vorstellbares einen Ausweg bietet, Hoffnung. So funktioniert diese Geschichte.

Zum Buch: Am siebenten Tage sollst Du ruhn, reden und zuhören.

Erstellt: am 19.10.2010 um 11:26:24
Letzte Änderung: am 19.10.2010 um 11:27:18



 5.



Von: helgas.
High Society Mitglied

4323 Gruppenforen-Beiträge
Das Jenseits

oder das Danach...auch ein beliebtes Thema, man kann spekulieren, was das Zeug hält.
Ich wünschte man würde mehr Augenmerk auf das Diesseits legen. Hier gibt es Aufgaben, die dringend Aufmerksamkeit benötigen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Unvorstellbares auf dem Sektor benötige. Eher nicht!

Dass es anderes Unvorstellbares gibt und zwar im absoluten Diesseits, das ist keine Frage....im Guten wie im Bösen, letzteres leider häufiger.
Auswege müssen vorstellbar sein, wie sollte man sie sonst beschreiten. Manchmal hilft allerdings auch der Zufall.....hier können die Philosophen wieder ansetzen.

Erstellt: am 19.10.2010 um 17:02:17
Letzte Änderung: am 19.10.2010 um 17:02:40



 6.



Von: peru88
Wortschmied

55 Gruppenforen-Beiträge
Jenseits...

...ist es schwarz wie die Nacht und totenstill.
Kein Lüftlein regt sich. Keine Stimmen und kein Lachen.
Kein Blitzen der Augen, kein Flirten. Absolut NICHTS.
Mein Einstieg war gekennzeichnet von ungeheuren Farbexplosionen,
die aber (schnell)verebbten und übernommen wurden von einem
tiefen Schwarz, tiefes stumpfes Schwarz.
Schwarz ohne Bewegung, Schwarz im Stillstand. Schwarzes Schwarz.
Schwärzer als die dunkelste Nacht. Lautloses Schwarz.
Bewegungsloses Schwarz.

Nach Jahren las ich im Polizeibericht von meinem Unfall den Vermerk:
"inzwischen verstorben*. Die Reise ins Land des Koma's dauerte 8 Wochen
einschliesslich Rückreise ins Land des Lebens. Interessant empfinde ich
die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, dort 'auch gerne gewesen' zu sein.

Alles was zählt findet im Hier und Heute statt. Das Diesseits bietet alles.
Nutze es ein jeder. Carpe diem.

Peru

Erstellt: am 19.10.2010 um 21:14:05
Letzte Änderung: am 19.10.2010 um 21:16:40


Gedichte sind die Tautropfen der Gedanken. Peter Rubin



 7.



Von: Gelöschter Account
In Zeiten

der Anfechtung sind wir geistig nicht so auf der Höhe, dass wir mal eben überlegen, was Kant, Hegel oder Heidegger zum Thema Erlösung zu sagen hatten - oder genauer, wie ihre Aussagen in unserer konkreten Situation anwenbar sei. Was wir in Musßestunden uns erdenken ist unter Stress nicht verfügbar; dann brauchen wir einfachere Denkmodelle bzw. Lösungansätze.
Das Unvorstellbare kann also das akut nicht Vorstellbare sein, weil man akut befangen ist. So meinte ich das jedenfalls.
Das Machbare ist etwas Situatives, nicht immer das Menschenmögliche. "Der Mensch" im Sinne der "Menschenheit" ist nicht gleich dem vor Ort handelnden Individuum.
Ich streite mich mit Kario genau darüber beim Wissen-Denken-Thread ("warum nutzen").
Was hat das Individuum davon, wenn es gewisse Erkenntnisse oder Lösungsstrategien gerade nicht zur Verfügung hat?

"Das ist ein kleiner Schritt für einen Mann, aber ein großer Schritt für Mannartige." (Spaßeshalber falsch übersetzt, da sich Neil Armstrong versprach; siehe unten.)

Das Jenseitige ist nicht rein zeitlich zu verstehen (linear "nach" dem Leben). Man dachte früher zyklischer als heute; die Abläufe waren geregelter. Tages- und Jahreszeiten gaben die anstehenden Aufgaben vor. Die Mondphasen und Vegetationsperioden gaben Orientierung. Uhren gibt es noch nicht soo lange, in der heutigen Verbreitung allemal nicht; Kirchturmuhren waren oft weit weg.
Aus heutiger Sicht dürfen wir Geschichten aus der Antike und aus dem Mittelalter also durchaus umdeuten/anpassen.

Ein Mensch berichtet vom Himmel:
109:24:48 Armstrong: That's one small step for (a) man; one giant leap for mankind. (Long Pause)

[At the time of the mission, the world heard Neil say "That's one small step for man; one giant leap for mankind". As Andrew Chaikin details in A Man on the Moon, after the mission, Neil said that he had intended to say 'one small step for a man' and believed that he had done so. However, he also agreed that the 'a' didn't seem to be audible in the recordings. The important point is that the world had no problem understanding his meaning.(...)]

Quelle:
http://history.nasa.gov/alsj/a11/a11.step.html

Erstellt: am 19.10.2010 um 21:15:27
Letzte Änderung: am 19.10.2010 um 21:17:37



 8.



Von: philhumor
BookRix-VIP

2614 Gruppenforen-Beiträge
Das Schwarz des Jenseits

Jenseits...

...ist es schwarz wie die Nacht und totenstill.
Kein Lüftlein regt sich. Keine Stimmen und kein Lachen.
Kein Blitzen der Augen, kein Flirten. Absolut NICHTS.
Mein Einstieg war gekennzeichnet von ungeheuren Farbexplosionen,
die aber (schnell)verebbten und übernommen wurden von einem
tiefen Schwarz, tiefes stumpfes Schwarz.
Schwarz ohne Bewegung, Schwarz im Stillstand. Schwarzes Schwarz.
Schwärzer als die dunkelste Nacht. Lautloses Schwarz.
Bewegungsloses Schwarz.



Hello Peter Rubin,

Deine Beschreibung des Schwarz im Jenseits erinnert mich an die Passage im Faust II von Goethe, wo Mephistopheles widerwillig Faust zu den Müttern schickt - ihm einen unscheinbaren Schlüssel gibt, der ihm den Zugang gewährt in diese Unterwelt.

Die Absolutheit der Schwärze in diesem Reich der Mütter beschreibt Mephistopheles ausführlich. Erst wenn Faust an den tiefsten, allertiefsten Punkt gelangt, den Urgrund - dort erwartet ihn ein Schein, ein Licht: ein glühender Dreifuß.

Der Dreifuß ist ein Symbol für Orakel und göttliche Eingebung. Man muss gewissermaßen in das Nichts eintauchen, sich freimachen von allem, um dann schöpferisch tätig werden zu können.

MEPHISTOPHELES. Ungern entdeck ich höheres Geheimnis. -
Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit,
Um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit;
Von ihnen sprechen ist Verlegenheit.
Die Mütter sind es!

FAUST aufgeschreckt. Mütter!

MEPHISTOPHELES. Schauderts dich?

FAUST. Die Mütter! Mütter! - 's klingt so wunderlich!

MEPHISTOPHELES. Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt
Euch Sterblichen, von uns nicht gern genannt.
Nach ihrer Wohnung magst ins Tiefste schürfen;
Du selbst bist schuld, daß ihrer wir bedürfen.
FAUST. Wohin der Weg?

MEPHISTOPHELES. Kein Weg! Ins Unbetretene,
Nicht zu Betretende! Ein Weg ans Unerbetene,
Nicht zu Erbittende! Bist du bereit? -
Nicht Schlösser sind, nicht Riegel wegzuschieben,
Von Einsamkeiten wirst umhergetrieben.
Hast du Begriff von Öd und Einsamkeit?

FAUST. Du spartest, dächt ich, solche Sprüche!
Hier witterts nach der Hexenküche,
Nach einer längst vergangnen Zeit.
Mußt ich nicht mit der Welt verkehren?
Das Leere lernen, Leeres lehren?
Sprach ich vernünftig, wie ichs angeschaut,
Erklang der Widerspruch gedoppelt laut.
Mußt ich sogar vor widerwärtigen Streichen
Zur Einsamkeit, zur Wildernis entweichen
Und, um nicht ganz versäumt, allein zu leben,
Mich doch zuletzt dem Teufel übergeben!

MEPHISTOPHELES.
Und hättest du den Ozean durchschwommen,
Das Grenzenlose dort geschaut,
So sähst du dort doch Well auf Welle kommen,
Selbst wenn es dir vorm Untergange graut.
Du sähst doch etwas! sähst wohl in der Grüne
Gestillter Meere streichende Delphine,
Sähst Wolken ziehen, Sonne, Mond und Sterne -
Nichts wirst du sehn in ewig leerer Ferne,
Den Schritt nicht hören, den du tust,
Nichts Festes finden, wo du ruhst!



Im Zen sagt man: die Tasse muss leer sein, damit man Tee hineingießen kann, damit man sie befüllen kann. Die Leerheit als Voraussetzung fürs Kreative.

Faust will mithilfe der Mütter und ihres Dreifußes Helena und Paris beschwören, sie herbeizaubern für den Kaiser und den Hof. Helena und Paris sind - jeder für sich - Inbegriff des vollendet Weiblichen und vollendet Männlichen.

Diese Urbilder, Vorbilder heraufzubeschwören gelingt Faust - und er verliebt sich sofort in das von ihm erzeugte, erschaffene Bild: er liebt Helena augenblicklich bedingungslos. Die eigene Schöpfung. Sie zu suchen im Original begibt er sich dann in die antike Welt. Zeugt gemeinsam mit ihr den Sohn Euphorion.

Euphorie ist eine übersteigert heitere und zuversichtliche Gemütsstimmung - nicht immer gerechtfertigt durch objektive Tatsachen und eventuell ausgelöst durch kleinere oder größere Erfolgserlebnisse. Diesen momentanen Erfolg projiziert man in die Zukunft, prolongiert und berauscht sich am fortdauernden Glück, was erreichbar erscheint. Doch Euphorion, ihr Sohn, der stirbt nach kurzer Zeit, er springt zu hoch, will gar fliegen.

Was man kreiert hat aus der völligen Leere heraus, aus der Schwärze, es ergeht einem damit so, wie es Faust erging mit seiner Helena und ihrem Sohn Euphorion. Goethe selber musste leidvoll feststellen ,dass alle seine schönen Worte eben nur dieses waren: Worte. Poesie kann Realität kaum verändern, ein wenig eindellen, kaum verformen.

Abtrotzen wollte er den Göttern Zeit: wenn er in Bewegung bliebe, unermüdlich weiter kreieren würde, schreiben würde, Bedeutsames formulieren - dann müssten sie ihm doch noch mehr Zeit gewähren? Vielleicht hat er Erfolg, und Goethe schreibt weiter im Jenseits. Dass sein Geist weiterschwingt weil er ihn am Schwingen halten möchte.

Wer sagt denn, dass diese Welt, dieses bekannte Diesseits alles ist? Wir haben das von der alten Welt damals auch geglaubt, dass wir alles seien. Dann kam Kolumbus und entdeckte eine neue Welt.

In der Physik glaubte man schon vor 100 Jahren jetzt alles entdeckt zu haben, die Grenzen abgesteckt, jetzt ginge es nur noch um das Verwalten des Bekannten. Dann wurde die Dimension immer kleiner: die Unendlichkeit im Kleinen tat sich auf. Das Atom war nicht die Grenze und die drei Quarks in jedem Neutron und Proton werden es auch nicht sein: die Grenze, wo ist sie? Wo ist das Allerkleinste? Wo ist das Allergrößte?

Die Griechen haben mit der Hilfe von einem Paradoxon schon bewiesen, dass es eigentlich keine kleinste Einheit geben könne und auch keinerlei Bewegung. Wir knüpfen heutzutage an diese Gedankengänge wieder an.

Auch wenn wir das Jenseits ausgesperrt haben aus dem Bereich des Denkbaren, es verbannt haben aus dem Nachdenkenswerten : es wartet dort draußen oder dort drinnen - dessen bin ich mir sicher. Denn es gibt keinerlei Grenzen. Weder nach oben noch nach unten, weder im Kleinen noch im Großen. Das Diesseits kann man nicht begrenzen durch den Verstand , es abgrenzen so wie ein Landvermesser genau festlegt wie groß und weit ein Stück Land sei und wo genau die Grenze beginnt.

Du sprachst davon ,dass du die Schwärze nicht als unangenehm empfunden hast im Nachhinein. Einblick zu bekommen in das jenseits-des-Diesseitigen-liegende, das ist nur Wenigen vergönnt. Wenn man es denn positiv betrachten will als ein Geschenk. Das soll nicht zynisch klingen.

Doch aus der Schwärze neue Kraft heraus zu gewinnen, den Dreifuß gewissermaßen mitzubringen, die Kraft zu erlangen aus Schemenhaftem Realität gewinnen zu können - da erweist man sich dann als Ebenbild Gottes, als ebenbürtig seinem Schöpfer, als rechtmäßiger Nachfolger, Nachfahre - und das sind wir Menschen, sollen es sein. Sollen uns so wahrnehmen und erkennen.

Das gelingt, wenn man ins Jenseits eintaucht, erahnt, was es mit der Schwärze auf sich hat, dem Nichtseienden, aus dem heraus das Mögliche und ihm folgend das Reale wird. Die Leere als Chance, als Startpunkt.

Im Faust ist es exemplarisch dargestellt. Sein Gang zu den Müttern, zum Urgrund des Seins, aus diesem Nichts, will er sein All gewinnen. Ein bisschen von Faust könnten wir uns alle aneignen, von seinem faustischen Vorwärtsdrängen. Zumindest sein Ende macht Hoffnung: er wird dennoch emporgezogen, hinauf in Himmelshöhen, dem Teufel entrissen durch eine List der Engel.

Hoffen wir darauf, dass die Engel genügend Tricks drauf haben, um unser aller Seelen zu retten, zu bewahren.

Goethe hatte diesen Optimismus. Es hat ihm zumindest Schaffenskraft und Elan gebracht bis zum allerletzten Tag. Und selbst da noch hat er sich gewünscht: mehr Licht!

LG
Phil Humor

Erstellt: am 20.10.2010 um 10:03:34


Dank Philosophie und Humor kommt mir das Leben lebenswert vor.



 9.



Von: Gelöschter Account
Hölle und Himmel

In dieser Geschichte, die ich zum Thema Hölle für das April-Wortspiel geschrieben habe, habe ich einige meiner Gedanken zu dem "Danach" verarbeitet. Wer Lust hat es zu lesen, bitte schön :-)))


Möglich isses

Es ist leicht, die Hand zu ergreifen, die sich mir lockend aus der Grab entgegenstreckt. Ich brauche nicht einmal Kraft, um Oma wie einen langen Wurm aus der Erde zu ziehen. Sie lacht und bewegt sich wie eine junge Frau. Strahlend und fröhlich wie nie, tänzelt sie fast zwischen den Pflänzchen ihres Grabes, nimmt meinen schweren Kopf zärtlich in ihre Hände, wiegt ihn, streichelt ihn sanft und lässt sich dann ins frische Gras neben ihrem Grab fallen.
Bald schon setzt sie sich auf und befiehlt dann doch in ihrer mir wohlbekannten Art „nun frag schon, was du wissen willst.“. Ich verstehe nicht und sie fügt lächelnd hinzu „es ist weniger spektakulär als du denkst“.

Oma war nie eine gute Frau, im eigentlichen Sinne. Zu Lebzeiten war sie herrisch und meistens übel gelaunt. Sie hat mit ihrer eigenwilligen Lebensweise unter anderem drei Ehemänner in die Flucht geschlagen, zwei Kinder ins Heim befördert und die gesamte Familie auch mit ihrer enorm langen Lebenszeit in Atem gehalten.
Ihr Lieblingsspruch war „die Welt will betrogen werden“ und wenn sie über andere sprach, nannte sie die „das Pack“ oder „die Bekloppten“. So war sie, und ich war vielleicht die einzige, die sie irgendwie mochte, so wie sie war. Mir gefiel ihre klare und direkte Art. Und ich gefiel ihr, weil sie sich in mir sah. Keiner in der Familie hielt das für ein Kompliment.

Mein Blick wandert von dieser strahlend jungen Frau im Gras zu dem kleinen Steinkreuz, dass man ihr nach ihrem Tode doch gegönnt hat. Die Inschrift „geboren 1900 und gestorben 2000 – Gottseidank nur 100 Jahre“ ist verschwunden. Statt dessen sehe ich viele kleine bunte und tanzende Buchstaben, die sich erst langsam zu Worten formen. „Immer ruhig Blut – Ihr Irren – jeder trägt sein Kreuz selbst – so lange er das für nötig hält“. Ich bin nicht einmal verwundert. Oma lacht und weil es helllichter Tag ist, zieht sie damit andere Friedhofsbesucher an. Dieses laute und ansteckende Lachen vergrößert die Menschentraube um ihr Grab in Windeseile. Die Stimmung ist fröhlich und fast ein bisschen ausgelassen.

Zu Lebzeiten mochte Oma eigentlich keine Menschen. Sie benutzte alle, wie sie sie brauchte und scherte sich darüber hinaus „einen Dreck um sie“. Wenn sich jemand „ein Bein für sie ausriss“ war ihr das selten genügend Einsatz und sie murmelte „na ja, besser als in die hohle Hand geschissen“. Wenn sie ein Geschenk bekam, untersuchte sie die Gabe nach Marke, Preisschild und Wert – und gab sie dann in jedem Fall zurück. Ich war klug und schenkte ihr schon bald Dinge, die ich selbst gebrauchen konnte. Andere fühlten sich wegen ihrer Eigenarten oft verletzt und wütend.

Hier ist jetzt alles anders. Oma scheint sich inmitten der mittlerweile noch stärker angewachsenen Menschenmenge behaglich zu fühlen.
Noch bevor ich ihrer Aufforderung, meine Frage zu stellen, nachkommen kann, ruft einer der Umstehenden mit Gießkanne in der Hand „Gute Frau, sie schickt der Himmel“. Eine junge Frau, der das rote abgebrannte Friedhofslicht beinahe aus der fuchtelnden Hand fällt, schickt hinterher „wie sehr habe ich mir einen Engel auf Erden gewünscht“. Zwei Kinder machen sich von der Hand ihrer Mütter los und laufen zu Oma, die sie bereitwillig auf ihren Schoß zieht.
Bevor das einsetzende Stimmengewirr zu einem Tumult führt, bittet meine Großmama mit einer Handbewegung um Ruhe. Erstaunlicherweise tritt die sofort ein und Oma zeigt auf eine große Leinwand hinter sich.

Meine Großmutter hatte zu Lebzeiten eine riesige Familie. Jede Menge Geschwister, Kinder, Schwiegerkinder und Enkel. Ihr war das immer lästig und die anderen wünschten sie oft in die Hölle. Zeitlebens hat sie gelogen, betrogen, bevormundet, missachtet und für Unfrieden gesorgt. Aus braven Lämmern wurden in ihrer Gegenwart wütende Bestien. Sie selbst wunderte sich und sah die Ursache niemals in ihrem eigenen Verhalten.
Als sie starb, kamen nur Wenige der noch Lebenden zu ihrer Trauerfeier. „Was gibt’s denn da zu trauern?“ war der allgemeine Tenor. „Gott sei Dank, wurde doch Zeit!“ war die mildere Form der Entschuldigung für´s Wegbleiben. Einige waren natürlich schon vor ihr verstorben und auf die war sie nun wieder nicht scharf. „Hoffentlich treff´ ich die Bekloppten da drüben nicht wieder“ raunte sie noch an einem ihrer letzten Tage mit fast letzter Anstrengung.

Auf der Leinwand tanzen die riesigen bunten Buchstaben, die ich schon vom Grabkreuz kenne und formen wieder die gleichen seltsamen Satzfetzen.
Dieses Bild wird nach kurzer Zeit von einer friedlich wirkenden, weitläufigen Landschaft abgelöst. Einzelne Menschen bevölkern die weiten Felder. Es gibt keinerlei Verbindung zwischen ihnen und sie scheinen sich gegenseitig nicht zu bemerken. Jeder ist mit Stricken umwickelt, die aber nirgendwo angebunden sind. Alle haben einen etwa handygroßen Bildschirm in der Hand, von dem aus eine Art Kabel ins Herz des Besitzers führt. Und alle schleppen ein Kreuz hinter sich her.

Zu Omas Lebzeiten sprachen wir manchmal über Himmel und Hölle. Viele Jahre lang waren wir jeden Sonntag gemeinsam in der Kirche. Meine Oma fand, „das ist besser so, man kann ja nie wissen“. Als sie dann nicht mehr so konnte, hoffte sie, „es wird schon ohne klappen“.
In ihren letzten Jahren fragte der Pfarrer manchmal, ob sie irgendetwas beichten wolle. Darüber war sie jedes Mal empört. „Ich wüsste nicht was, Kind“.
Mir wäre einiges eingefallen, aber ich mochte nichts sagen. Vielleicht wollte ich diese mittlerweile winzige alte Frau schonen, vielleicht aber auch nur mich. Die Diskussionen über Fehler, Schuld und Sühne waren früher schon zu meinen Ungunsten ausgegangen und nun war sie alt.

Heute hier auf dem Friedhof wirkt sie jung und leicht, baut sich in voller Größe vor der Leinwand auf und sagt in meine Richtung „Mäuschen, der Pfarrer, du und ich, wir haben uns geirrt. Die Trennung von Himmel und Hölle ist ganz großer Quatsch. Es gibt nur einen einzigen Ort im …“
Und schon wird sie unterbrochen durch ein lautes Durcheinander der Stimmen. „Siehste, hab´ ich mir doch gedacht“, „da bin ich mal gespannt, wie´s wirklich ist“, „die hat doch nen Knall, die da vorne“ und noch viel mehr.
Oma verschafft sich wieder Gehör und fährt fort. „Seht selbst“ sagt sie und deutet auf die Leinwand.
Der Bildausschnitt hat sich verändert. Nun sehen wir ein großes Tor mit einer langen Schlange meist alter Menschen davor und kurz dahinter einige kleine Häuschen. Die Posten „persönliche Kreuzausgabe“, „Bildschirmausgabe“ und „Fesselung“ muss anscheinend jeder der Neuankömmlinge passieren.
Plötzlich vergrößert sich der Bildausschnitt. Wir sehen weiterhin die wunderschöne friedliche Landschaft und die vereinzelten Menschen mit ihren Fesseln und Kreuzen. Allerdings erscheinen jetzt zusätzlich kleinere und größere Grüppchen Ungefesselter, Kreuzloser und augenscheinlich glücklich Kommunizierender auf der großen Leinwand.
Oma scheint es nun wichtig zu sein, dass wir genau sehen, was gezeigt wird.
„Schaut es euch aufmerksam an. Ihr könnt hier beides wahrnehmen! Eine Landschaft – Himmel und auch Hölle!“
„So´n Quatsch“, „ich seh da nix“, „Wo bitte ist denn da die Hölle“. Andere rufen „Das soll der Himmel sein?“ Die Menschen am Grab sind jetzt laut und aufgeregt.
Doch Oma beschwichtigt die Menge mit ruhiger, fester Stimme und beginnt zu dozieren.
„Lasst uns wiederholen. Am Tor haben alle Neuankömmlinge ihr persönliches Kreuz ausgehändigt bekommen, jedem wurde ein Bildschirm mit allen noch so kleinen Details des vergangenen Lebens gegeben und alle wurden in sich selbst gefesselt - weiter nichts! …“

Sie wird wieder unterbrochen. Denn der Tumult bricht erneut aus. „Ist das hier ne Märchenstunde – oder was?“ „Komm wir gehen, Geschichten über Kreuze, Seile und Bildschirme kann ich auch selbst fantasieren“ oder „Was glaubt die denn, wer sie ist?“.
Alle reden durcheinander und die meisten sind empört.

Oma guckt sich das eine zeit lang an und erzählt dann, auch zur Beruhigung, von ihrer eigenen Ankunft im Jenseits.
„Als ich dort ankam war ich natürlich noch viel erstaunter als ihr jetzt hier. Ich habe lange nicht begriffen wo ich plötzlich war. Niemand hat mit mir gesprochen und ich kannte mich doch nicht aus. Eben lag ich noch in meinem Bett, mit Sanitäter und Pfarrer über mir - und zack, plötzlich war ich in dieser Landschaft. Nix Vertrautes, keine Dinge, die mir lieb waren. Drei Sachen und ne weite Landschaft. Nur meine Beine taten es plötzlich wieder. Trotz der Fesseln konnte ich gehen – das war besser als vorher. Das Schlimmste aber war, dass es niemanden dort gab, der mir gesagt hätte, wie´s nun weiter gehen sollte.“

Die Menge hat sich ein wenig beruhigt und die meisten hören endlich aufmerksamer zu.
„Da mir niemand zu Hilfe kam, oder die, die kamen auch inkompetent wirkten, bin ich lange - ich glaube sehr, sehr lange durch diese Landschaft geirrt. Heute weiß ich, ich war in der Hölle. Allein, mit Schmerzen, Hunger, Durst, meinem schweren Kreuz, den hauptsächlich schrecklichen Filmchen über mich in meinem Leben, meiner Scham und scheinbar grenzenlosen Einsamkeit…“ Oma schaut in die Runde und sieht einige, die beginnen zu begreifen. Langsam fährt sie fort.
„Eines Tages passierte es dann. Eigentlich war alles wie immer. Ich schaute meine Filme und schämte mich. Und gerade als ich vielleicht zum tausendsten Mal weiter spulen wollte, erkannte ich, dass ich selbst das alles beenden konnte. Ich spürte ein Ziehen in meinem Herzen und stellt euch vor, der Computerbildschirm begann sich über das Kabel in mein Herz zu entleeren. Gleichzeitig fielen die Fesseln von mir ab und mein Kreuz, das mir eine solche Last war, zerbröselte von einem Moment zum anderen als hätte der Holzwurm ganze Arbeit geleistet.“
Jetzt murmelt und spricht niemand mehr. Die Menge ist mucksmäuschenstill und Oma fährt fort.
„Ich begriff sofort, dass ich frei war. Und zum ersten Mal während des gesamten Aufenthaltes sah ich andere, als ich mich umschaute. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erstaunt ich war. Ich war nicht alleine an diesem Ort, hinter diesem Tor. Es gab dort sogar solche, die miteinander in Gruppen waren. Auf eine dieser Gruppen ging ich zu und traute meinen Augen kaum. Alles junge Menschen, die glücklich miteinander schienen. Als sie bemerkten, dass ich mich näherte, kamen sie mir entgegen und nahmen mich mit offenen Armen auf. Seit dem fehlt es mir an nichts. Ich liebe es, dort zu sein und bedaure die Einsamen, Gefesselten und Kreuztragenden. Bedauern statt Scham, die Erkenntnis, dass die Seile keine Fesseln sind und die aktive Befreiung vom Kreuz würden den Löschvorgang des Computers starten.“
Oma schaut in die Runde und setzt noch einmal an „Auf meinem Bildschirm sehe ich jetzt die Essenz meines Lebens. Einige wenige Erkenntnisse. Die sind wichtig….
Ihr habt mich in Gedanken gerufen, wegen der Frage nach Himmel und Hölle und ich sage euch, ihr entscheidet selbst.“

Oma zwinkert mir zu, kommt etwas näher, so dass ich das Strahlen ihrer jungen Augen noch einmal sehe, flüstert mir ins Ohr „habe einige unserer Familienmitglieder getroffen - hat uns gefreut“ und geht zurück zum Grab.

Der Film endet wie er angefangen hat. Die Buchstaben lösen sich wieder aus ihren Worten - immer ruhig Blut – ihr Irren – jeder trägt sein Kreuz selbst – so lange er das für nötig hält -, tanzen und verschwinden im Nichts.

Als die Friedhofsarbeiter die Leinwand wegräumen, die immer noch schweigende Versammlung auflösen und Oma in ihr himmlisches Grab zurückfließt, weiß zumindest ich, dass der Weg durch die Hölle nicht schwer sein muss.
Vielleicht hat Oma Recht, und es ist tatsächlich weniger spektakulär als ich dachte. Möglich isses.

Ach ja - vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass der Rest der Familie nichts davon erfuhr und nach dem Aufwachen ein handygroßer Bildschirm mit Kabel in mein Herz neben meinem Bett ... .

http://www.bookrix.de/_title-de-wollfrau-moeglich-isses

Erstellt: am 20.10.2010 um 12:16:29



 10.



Von: helgas.
High Society Mitglied

4323 Gruppenforen-Beiträge
Jeder macht sich so seine Gedanken

und dann ufert plötzlich alles aus...es entstehen Geschichten wie diese, die für mich natürlich recht amüsant zu lesen ist....die arme, böse Oma, von der ganzen buckligen Verwandschaft verkannt. Vermutlich hat sich kaum jemand Gedanken gemacht oder sich viel Mühe gegeben, die Oma zu begreifen, ihr Handeln und Tun zu deuten. Jeder ist mit sich beschäftigt....und trachtet nach einem guten Platz im Himmel oder Sonstwo. Beichten soll helfen! Die Oma hat's nicht eingesehen. Kann ich gut nachvollziehen.

War recht gut zum Lesen dieser Traum vom Jenseits.

Wenn sich alle dem Himmel oder der Hölle auf Erden im Diesseits widmen würden, wäre vieles leichter und sinnvoller, finde ich....aber genaus das ist so wenig geheimnisvoll und so trivial, dass man es einfach vernachlässigt und sich halt dem Danach vermehrt zuwendet. Schade, sehr schade....es gibt so viel zu tun zu Lebzeiten!

Erstellt: am 20.10.2010 um 14:38:11
Letzte Änderung: am 20.10.2010 um 14:41:59



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