short, shorter, shortest: Stories, Drabbles, Tiny Tales
Von Signe Winter http://www.bookrix.de/-gnies.retniw
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 521 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 92 Seiten
Preis: 92 Cent
http://www.amazon.de/short-shorter-shortest-ebook/dp/B00BOE6ITS/ [Kindle Edition]
http://www.amazon.de/short-shorter-shortest-Stories-Drabbles/dp/1482612607/ [Taschenbuch]
short, shorter, shortest - short test: Obliegt die Würze der Kürze?
Sich beschränken auf 140 Zeichen - bei den Tiny Tales - oder auf exakt 100 Worte - beim Drabble - schafft zunächst eine zusätzliche Hürde für den Autor. Er braucht mehr Schwung, Timing, um seine Ziellinie zu erreichen. Doch das, was rar ist, bekommt plötzlich neuen Wert: Worte sind nicht mehr im freien Maß verfügbar - es gilt, sie genauer unter die Lupe zu nehmen: So schafft man hochkarätige Texte.
Signe Winter schreibt gerne politische Drabbles. Ihre Short Storys sind eher von persönlichen Erlebnissen, Empfindungen beeinflusst, die sie gerne ins Märchenhafte transferiert, um die Struktur der Begebenheiten besser erfassen zu können: sich ins Abstraktions-Reich begeben, aus dem Besonderen das Allgemein-Gültige keltern, gewinnen. Sich selber reinen Wein einschenken ... auch eine Aufgabe des Autors - Selbstfindung ... manchmal über den Umweg der Politik - Stellung beziehen - überlegen, wo man sich derzeit befindet im Welt-Theater. Zuschauer, im Besitz einer Hauptrolle, Kostümbildner, behilflich beim Aufbau der Staffage?
Und sei es das durch Worte zelebrierte Nach-Erleben eines Spazierengehens im Wald - Novembertag, Seite 18 - der Mensch braucht Worte, um mit sich selbst so zu kommunizieren, dass er Tiefe erlangt, Weisheit, ein Lächeln dem Moment abgewinnen, abschöpfen kann.
"Er schickt seine Gedanken in den Wald. Manche Gedanken umhüllen einzelne Bäume, verharren dort und kommen geklärt und gereinigt zurück. Andere Gedanken verirren sich in der Tiefe des Waldes und sind entschwunden. Der Hund ist berauscht von den Gerüchen. Er braucht keine Abstraktionen dafür."
Tiny Tales - Storys im Twitter Format - tja, wenn Götter twittern könnten.
"Relativierung von Strafe
Der Felsblock war nun ein Kieselstein geworden, abgewetzt vom Heraufrollen. Die Folge: Jetzt wird S. in der Arbeitslosenstatistik geführt."
Zitat aus "Gesunde Ernährung" - Drabble auf Seite 69:
"Jägermeister wird versetzt mit Kräuterkleister, Drogen mit Edelweiß gestreckt, damit sich's gesünder verreckt."
Signe Winters Schreibstil: verständlich, pointiert. Mal der Realität auf den Fersen, dann wieder Aufstieg ins Metaphern-Reich, ein Ausflug, zu dem Pegasus die Dichterin wohl angestupst hat? :-)
___________________________
Rezension bezieht sich auf "Die Mansarde" - Seite 20
Eine Übung beim Meditieren: Man betrachtet einen Knoten bei einem Seil, schließt dann die Augen, visualisiert diesen Seil-Knoten und versucht ihn in Gedanken zu lösen. Wenn man es schafft, dass er sich dadurch auch tatsächlich gelöst und entwunden hat - dann ist die Meditation als gelungen zu betrachten.
Verschränkung von intensiv Gedachtem und dem Erlebten. Die Grenze ist nicht immer eindeutig. In Deiner Geschichte ist unklar, ob die Frau handelt, ob sie visualisiert oder träumt.
Im Traum und beim Visualisieren begegnet man sich selber: Alles, was einem begegnet, sind Erscheinungsformen des eigenen Ichs. Viele Symbole in diesem kurzen Text. Sie hat noch Sand in den Schuhen nicht aus Hawaii, sondern von dem surrealen Meeresausflug. Das Traumhaft-Unwirkliche gewinnt an Wirklichkeit, an Substanz.
Mag sein, sie erwacht erneut - stellt fest, dass sie nur im Traum erwacht ist. Am Anfang ist von Kälte die Rede; am Ende funktioniert immerhin die Heizung, es wird wärmer. Allerdings verabschiedet sich die Birke, Symbol fürs Schwarz-Weiß-Denken?
In sich stimmig, wenn man möchte: Die präsentierten Symbole können Sinn ergeben - vielfachen. Erinnert ein bisschen an Goethes „Das Märchen“. Auch er hat keine Scheu, fast unverständliche Symbole zu verwenden. Nur Mut. Von offensichtlichen Texten haben wir genug.
Ergiebiger Text - könnte man mehrere Bücher als Sekundärliteratur dazu verfassen.
Die Verschränkung von innerer Welt und äußerer Welt - gibt es da einen mysteriösen Graubereich?
___________________________
Rezension bezieht sich auf "Brief an Mr. X" - Seite 25
Mr. XXL
"Er auch den nächsten Tag kaum gehen konnte" - *schmunzel* - war es dermaßen anstrengend?
Danach bemerkt die Briefeschreiberin immerhin die Sehnsucht des Mr. X - ein recht später Zeitpunkt, da er sich zu diesem Zeitpunkt bereits völlig verausgabt hatte.
Aus einem MR. X einen Mr. U machen. X ist die 10. U ist V, ist die 5 - bei den römischen Zahlen.
Ist der Mr. X gar nicht so viel wert? Keine 10 Punkte? Nur 5 Punkte? Auf welcher Skala? Innere Werte, Tüchtigkeit, Adäquatheit? Vielleicht ist er gar Mr. XXL? Kommt darauf an, was man misst. Seelengröße ...
LG
Phil Humor
philhumor
Jen June Equal
Frei
http://www.bookrix.de/show3dcovermaxXY.php?art=book&x=270&y=330&p=perfekt._1333548611.2311639786
http://www.bookrix.de/_title-de-jen-june-equal-frei
Erinnerungen - tolle Erfindung, dadurch ist ein Voranschreiten möglich; ansonsten dreht man sich im Kreis.... mehr anzeigen
Jen June Equal
Frei
http://www.bookrix.de/show3dcovermaxXY.php?art=book&x=270&y=330&p=perfekt._1333548611.2311639786
http://www.bookrix.de/_title-de-jen-june-equal-frei
Erinnerungen - tolle Erfindung, dadurch ist ein Voranschreiten möglich; ansonsten dreht man sich im Kreis. Dinosaurier, die Vorbilder für Drachen, lebten ohne solche Erinnerungs-Möglichkeit; kein Bewusstsein, wie sie den gestrigen Tag verbracht hatten.
Tyler, als Halb-Drache, soll sich bemühen seine Erinnerungen zu achten, sie als kostbar wertzuschätzen; auf ihnen aufbauend kann er seine Liebe zu Caramella bewahren bis über den Tod. Kann man auch symbolisch verstehen, wenn einem im Leben ganze Gefühlsbereiche herausgerissen werden sollen von der Zeit; sie vernichtet diese, wenn man sie nicht festhält, hütet.
Der Drache Omvardon existiert als Statue - scheint, als ob die Unendlichkeit für ihn schon zu lange währt. Auch die germanischen Götter hatten ihr Zeitmaß: Ragnarök erwartete sie, das große Finale.
In Deiner Story meint der Gott der Unsterblichkeit Demonysis: "Habe ich eigentlich schon einmal gesagt, dass keine Liebe ewig hält?" Er hat da so seine Zweifel. Kann Bewusstsein für die Kostbarkeit von Erinnerungen einem Kraft verleihen, die Unendlichkeit zu ertragen und die Liebe sich zu bewahren?
Anhand zweier unterschiedlicher Drachen-Typen, Halb- und Voll-Drache, kann der Leser spekulieren, grübeln, wie wahr das Sprichwort ist: "Liebe ist stärker als der Tod".
Szenisch geschrieben - ist mein bevorzugter Stil.
LG
Phil Humor
Lisa-Annabell
Hallo allesamt, ich freue mich, euch meinen Bildband "Das Gesicht" vorzustellen.
philhumor
Gedankenmeer mit mehr Gedanken
Signe Winter
ISBN-13: 978-1482709919
Taschenbuch
http://www.amazon.de/gp/product/1482709910/
[Aus dem Gedicht "Abschied" S. 56]
"Ich bin der zerbrochene Krug
Ich bin der Klebstoff, der ihn zusammensetzt"
Geht in den Gedichten um Beziehung - wie sie zu... mehr anzeigen
Gedankenmeer mit mehr Gedanken
Signe Winter
ISBN-13: 978-1482709919
Taschenbuch
http://www.amazon.de/gp/product/1482709910/
[Aus dem Gedicht "Abschied" S. 56]
"Ich bin der zerbrochene Krug
Ich bin der Klebstoff, der ihn zusammensetzt"
Geht in den Gedichten um Beziehung - wie sie zu kitten ist, ob man die Scherben nicht doch lieber auf dem Boden ruhen lässt. Vorsichtiger Neuanfang mit Worten ... die Gedicht-Verse gehen der Ferse voraus, erkunden, sondieren umliegendes Gelände, ob es wohl verlässlich ist. Den anderen verlassen ... sich selber verlassen? Sich auf Dichters Wort verlassen, dass es behilflich sei beim Ordnen, Aufräumen, Reparieren, Kitten? Auf geistig-seelischem Terrain sind die Puzzleteile nicht per Hand zusammenzuführen, es gilt mit Worten zu pushen, Gedanken so zu bündeln, dass sie kraftvoll wirken können und nicht wirr herumschwirren.
[Aus dem Gedicht "Über Pi" S. 23]
"Ich bin Pi
rational irrational
wissend, es gibt auch eine siebzehnte Zahl hinter dem Komma"
Die Gedanken kreisen - suchen Mittelpunkt. Optimalerweise wäre eine glückliche Beziehung solch ein Mittelpunkt. Doch schon zwei Personen - das ist eine Gleichung mit unendlich vielen Unbekannten; Pi mal Daumen verschätzt man sich mit sich selbst, beim anderen.
[Aus dem Gedicht "Frage-Antwort-Spiel" S. 59]
"Verstrickt im eigenen Selbst
Die Stricknadeln
führen andere
Ich sehe nur
die Maschen fallen"
Mittels Fragen kann sich der Dichter interviewen, sein Lyrisches Ich soll ins Grübeln kommen und sich entstricken, es mit einer neuen Masche versuchen, die Maschen der Welt zu enttarnen.
[Aus dem Gedicht "Visionen" S. 10]
"Aber ich weiß:
Nur der Schlaf
kann heilen
und sein Bruder - der Unendliche
Wenn beides nicht effektiv genug war,
beginnt die ganze Scheiße von vorn"
Vielleicht kann auch das Dichter-Wort helfen beim Heilen. Wenn einem das Leben fragmentarisch erscheint, zum Heil, zum Gesamten finden mittels umfassender Reflexion.
Ich würde gerne ganze Gedichte hier zitieren - die Autorin hat einen sehr typischen Schreibstil - man würde ihre Gedichte wie bei einem Marken-Label sofort wiedererkennen.
Gute Marke.
[Zum Gedicht "Farbstich" S. 12]
Kompliment fürs Komplementäre.
Farbstich - automatische Korrektur ist möglich bei modernen Kameras; doch verfügt das menschliche Kamera-System über ähnliche Fertigkeit?
Kann gefühlsbedingte Realitäts-Verschiebung vom Kameramann Gehirn spontan korrigiert werden - oder benötigt Gehirn diese Verschiebung, diesen Stich ins Unwahre, und erhält durch diese Überlagerung Zusatz-Information: Wichtigkeit, Wertigkeit wird somit gleich mitgespeichert?
Komplementärfarben - im Negativ wird aus der grünen Wiese etwas Lilafarbenes; Magenta Reich.
Gefühls-Nuancen verändern Farbe, fügen Farbstich hinzu. Manchmal wird es ein Negativ. Voll das Kontrastprogramm.
Welche Abzüge wir herstellen, wie viel Positive mit unterschiedlichen Farb-Intensitäten - ist ganz uns überlassen - auch wenn man von dieser Freiheit nur selten Gebrauch macht.
Gedicht mit reichlich Stoff zum Nachdenken.
[Zum Gedicht "Zeit, die man Leben nennt" S. 69]
Dieses Burgfräulein - eine Mischung von Narziss und Dornröschen. Ein hypnotischer Schlaf. Andere Zeit-Dimension:
"der Sand im Uhrenglas ein nasser Klumpen"
Aus Sicht des Burgfräuleins verrinnt die Zeit nicht mehr. Jahre könnten Monate sein oder ein Tag, der sich runderneuert immer wieder selbst präsentiert.
"Plötzlich
das Burgfräulein
beschließt etwas"
Was schließt sie? Sich mit ein ins Übrige, Teil der Gesamtheit? Sind deshalb Drache und Drachentöter gut aufeinander zu sprechen, da der Kontrast aufgehoben, keine Distinktionen, das Leben ein Gesamtkunstwerk?
"im Spiegel der Selbstbetrachtung"
Vielleicht geht es gar nicht darum, den Blick abzuwenden vom Selbst, sondern zu erkennen, dass Alles Selbst ist.
Ist das Burgfräulein noch eine Zeitgemäße, denn das Königreich, was überschaubar war, ist nun gigantisch: ist die Welt.
Der Bote des Königs immer noch unterwegs, obwohl sein Dienstherr nicht mehr existent.
Geschichte, Vergangenes wirkt weiter, hat Botschaft für uns, ob wir sie hören wollen oder nicht.
Das Burgfräulein-Gedicht: märchenhaft und reiche Symbol-Vielfalt. Wohl ergründbar ad infinitum, niemals zur Gänze auslotbar. Tiefe ohne Grenze.
LG
Phil Humor